Eine Neuentwicklung unseres Faltbootbaues (Zum Patent angemeldet)
Veröffentlicht im KOMPASS – Organ der Parteileitung der SED der Mathias-Thesen-Werft Wismar
Unser Werk ist ständig bemüht, seine bekannten Faltbooterzeugnisse, gestützt auf die Anregungen und Erfahrungen unserer Wassersportler, weiterzuentwickeln. Wir können Ihnen heute eine besondere Überraschung präsentieren.
Die Verwendung von Tragflächen an starren Bootskörpern ist hinreichend bekannt. Die vorliegende Neuerung bezieht sich auf die Ausrüstung unseres Mehrzweckfaltbootes »Delphin 110« mit Tragflächen. Es ist erstmalig, daß Tragflächen an einem Faltboot angebracht wurden und einmalig, daß der faltbare Bootskörper der auftretenden Belastung gewachsen ist.
Die an unserem »Delphin 110« angebrachten und durch Stützen und Streben mit ihm verbundenen Tragflächen bewirken bei Überschreitung einer bestimmten Geschwindigkeit ein vollkommenes Austauchen des Bootskörpers aus dem Wasser.
Der Widerstand, den das Wasser dem Faltboot bei der Vorwärtsbewegung als Verdrängerboot entgegensetzt, wird dadurch aufgehoben. Unter der Wasseroberfläche verbleiben lediglich die Tragflächen, Propeller und Ruderanlage, deren Widerstand im Wasser aber im Verhältnis zum Widerstand des Faltbootes sehr gering ist. Nach erfolgter Austauchvorgang setzt dann das Faltboot mit einem bestimmten Abstand von der Wasseroberfläche seine Fahrt mit gesteigerter Geschwindigkeit fort.
Trotz der beiden neuen Widerstandsteile, des Widerstandes der Tragflächen, Propeller und Ruderanlage und des stärker werdenden Luftwiderstandes, wird mit der gleichen Antriebskraft ein wesentlicher Geschwindigkeitsgewinn erreicht. Der Geschwindigkeitsgewinn beträgt je nach Belastung des Bootes und verwendeter Antriebsleistung 30 bis 100 Prozent.
Durch die vorliegende Neuerung ergibt sich die Möglichkeit, Motorgewicht und Brennstoff einzusparen sowie den noch hohen Kostenaufwand für den Wasserskisport durch den Einsatz unseres »Delphin 110« als Tragflächenboot wesentlich herabzusetzen.
Mit einem 7,5-PS-Heckmotor erreicht unser »Delphin 110« als Verdrängerboot eine Geschwindigkeit von 36 km/h. Diese Geschwindigkeit reicht für den Wasserskisport aus, die günstigste Geschwindigkeit, um gut und gekonnt zu laufen, liegt allerdings bei 40 bis 50 km/h. Diese Bedingung kann natürlich mit mehr PS und einem größeren Kraftstoffverbrauch erreicht werden.
Unser »Delphin 110« erreicht jedoch als Tragflächenboot mit nur 7,5 PS Antrieb bereits eine Geschwindigkeit von etwa 50 km pro Stunde. Das ist ein Vorteil, den besonders unsere jungen Wasserskisportler erkennen werden. Gehört doch ein ausdauerndes Training dazu, um später Spitzenleistungen im Slalom, Springen und Figurenlaufen vollbringen zu können.
Weitere Vorteile sind vor allem auch die weiche und angenehme Fahrt des ausgetauchten Faltbootes selbst bei bewegtem Wasser und die Verbesserung der Quer- und Längsstabilität. Die nur geringe Wellenbildung erlaubt es, auch ohne Behinderung anderer Wasserfahrzeuge und ohne Gefahr der Beschädigung der Uferbefestigungen, selbst auf engeren Kanälen, die volle Geschwindigkeit beizubehalten.
Beim Wasserskisport ist ein Überspringen der Heckwelle nicht mehr erforderlich, ja schon etwa 10 m hinter dem Boot das Wasser vollständig beruhigt hat. Selbst in kleiner Kurve verhält sich das Boot ausgezeichnet stabil. Es hat dabei die angenehme Eigenschaft, sich dem Kreismittelpunkt zu neigen, was bekanntlich bei Kraftwagen durch die auftretende Zentrifugalkraft nicht der Fall ist.
Nach der zur Zeit gültigen Binnenwasserstraßen-Verkehrsordnung (BWO) vom 1. September 1953 und deren Ergänzung ist jedoch die Höchstgeschwindigkeit für Kleinfahrzeuge auf Seen sowie auf breiten Flußstrecken auf 25 km/h, für die Märkischen Seen auf 35 km/h festgelegt. Lediglich auf der Elbe und auf den in Verbindung mit der Wasserschutzpolizei am Ort festgelegten und gekennzeichneten Trainingsstrecken auf Flüssen und Seen kann diese Geschwindigkeitsbegrenzung überschritten und somit auch unser Tragflächenboot »Delphin 110« voll ausgefahren werden.
Die Zeichnungen zeigen in 5 Figuren unser Faltboot »Delphin 110« als Tragflächenboot, den Aufbau der Tragflächen und die Verbindung derselben mit der Gerüstkonstruktion des Faltbootes.
Das in der Seitenansicht Fig. 1 dargestellte Boot wird durch einen Heckmotor 5 mit langem Schaft angetrieben, wobei es je nach Belastung als Verdrängerfahrzeug bis in Wasserlinie 3 eintaucht.
Bei Überschreiten einer bestimmten Geschwindigkeit wird das Boot durch die angeordnete Bugfragfläche 1 und die Hecktragfläche 2 aus dem Wasser herausgehoben und bewegt sich in Höhe der Wasserlinie 4 mit gesteigerter Geschwindigkeit weiter vorwärts. Aus der Draufsicht auf das Tragflächenboot Fig. 2 sind deutlich die vier Anhängepunkte 6 und die seitliche Ausladung der Tragflächen zu erkennen.
Fig. 3 zeigt einen Querschnitt durch Fig. 1, in der schematisch dargestellt ist, wie der Bootskörper in den V-förmig ausgebildeten Tragflächen hängt.
Die V-Tragflächen Fig. 4 sind als Leichtmetallhohlkörper in Verbindung mit Leichtmetallgußkörpern durch Argon-arc-Schweißung miteinander verbunden. Die Flächen enden oben in einem Endschott 1. Die an den Tragflächen angeschraubten Spritzerschotte 2 und 3 sind in Höhe der Wasserlinie 4 (Fig. 3) angeordnet, um die an dieser Stelle auftretenden Wasserwirbel bei austauchenden Boot herabzusetzen.
Die Tragflächen sind zum besseren Transport teilbar ausgebildet durch die Anordnung einer Stabilisierungsflosse 4. Die Verbindung der Tragflächenhälften erfolgt durch Verbindung der Stabilisierungsflosse mittels Paßstift 5 und Senkkopfschraube 6. Die Stabilisierungsflosse der Horizontalen 11 zur Wasserlinie verstellt werden. Der Anstellwinkel 12 der Tragflächen richtet sich nach der Gewichtsbelastung des Faltbootes. Durch eine Vergrößerung des Anstellwinkels wird eine Erhöhung der Auftriebskräfte erreicht und umgekehrt.
Das ist besonders wichtig, da das Gewicht der Zuladung bei Faltbooten meist ein Vielfaches des Gewichtes des Faltbootes selbst beträgt. Eine Verstellung des Anstellwinkels wird sich zum Beispiel erforderlich machen, wenn anstatt 2 Personen 4 Personen befördert werden sollen.
In Fig. 5 ist die Verstelleinrichtung und die Verbindung der Tragfläche mit dem Faltboot dargestellt. Der Gußkörper 1 ist mit dem Haltewinkel 2 durch zwei Schrauben so verbunden, daß über den Drehpunkt einer Schraube die Höhenverstellung des Gußkörpers 1 an einem Ende gegenüber dem Haltewinkel 2 vorgenommen werden kann. Durch Drehen der Verstellschraube 3 nach rechts oder links wird der Verstellbolzen 4, der innen ein Gewinde aufweist und in einem Langloch im Haltewinkel 2 geführt wird, aufwärts bzw. abwärts bewegt. Der Verstellbolzen 4 ist durch einen Gewindezapfen und Mutter 5 mit dem Gußkörper 1 verbunden, wodurch dieser die Auf- bzw. Abwärtsbewegung des Verstellbolzens 4 zwangsläufig mitmacht und somit eine Änderung des Anstellwinkels der Tragfläche bewirkt.
Der Haltewinkel 2 ist mittels Schrauben 6 und Flügelmuttern 10 mit dem Seitendeck 8 des Faltbootes und über den Befestigungswinkel 11 mit der Dollbordleisten 14 verbunden.
Eine Gummibeilage 7 verhindert eine Beschädigung der Oberfläche des lackierten Holzseitendecks 8. Die Distanzbüchsen 9 sichern eine starre Verbindung zwischen dem Haltewinkel 2 u. dem Befestigungswinkel 11 und ermöglichen ein kräftiges Anziehen der Flügelmutter 10, ohne das Seitendeck bzw. die Dollbordleisten zu verspannen. Die Plastikfoliplatte 12 dient der besseren Übertragung der Kräfte auf die einzelnen Dollbordleisten 14. Sie ist mit den Dollbordleisten 14 und dem Befestigungswinkel 11 durch Nieten 12 verbunden.
Durch die so geschaffene Verbindung zwischen Tragfläche und Faltboot tritt keine Beschädigung des Luftschlauches 15 und der Faltboothaut 16 ein.
Alle Teile aus ALMG sind seewasserbeständig eloxiert, Schrauben und Bolzen galvanisch verzinkt. Die Stützen und Streben sowie die Haltewinkel der Tragflächen sind mit einem roten Farbanstrich versehen. Die beiden Tragflächen sich an jedem unserer Faltboote ab Baujahr 1959 leicht anbringen. Eine extra Verstärkung des Bootsgerüstes, außer der Plastikfoliplatte 12 und dem Befestigungswinkel 11, ist dabei nicht erforderlich. Zur Umwandlung des »Delphin 110« vom Tragflächenboot zum Motorboot bedarf es nur wenige Handgriffe und etwas Minuten. Schrauben 6 und Flügelmuttern 10 werden entfernt, die Tragflächen vom Boot abgenommen und nach Verschließen der Schrauben mit Flügelmuttern zur Abdichtung der Bohrungen im Seitendeck wieder eingezogen.
Bei unserem ausgestellten Tragflächenboot wurde am Heck, Backbord und Steuerbord ein Spritzerschott angeordnet, das sich als sehr nützlich erwiesen hat. Es soll verhindern, daß beim Austauchvorgang aufgewirbeltes Wasser ins Innere des Bootes eindringen kann.
In Verbindung mit dem von den Zentralwerkstätten Berlin neuentwickelten 10-PS-Heckmotor HB 250 wird unser Mehrzweckfaltboot »Delphin 110« nun auch zum leistungsfähigen und wirtschaftlichen Tragflächenboot.
Wir hoffen, mit dieser Weiterentwicklung den begeisterten Wassersportlern eine Neuheit vorstellen zu können, die von ihnen begrüßt wird und von uns als weiterer Schritt zur Erreichung und Bestimmung des Weltniveaus gewertet werden kann.
| Größte Breite | 1.900 mm |
| Größte Höhe | 950 mm |
| Material | ALMG 5 |
| Gewicht | ca. 31 kg |
| Geschwindigkeit | 50 km/h |
| Motor | mit einem 7,5-PS-Heckmotor |
Diese innovative Entwicklung der Mathias-Thesen-Werft Wismar stellt einen Meilenstein in der Geschichte des Faltbootbaus dar – erstmals wurden Tragflächen erfolgreich mit einem flexiblen Faltbootkörper kombiniert, um Wasserskisport auch mit geringer Motorleistung wirtschaftlich zu ermöglichen.
| Papierart | normal |
|---|---|
| Format | Prospekt |
| Fundort | Bernhard Lehmann |
| Keine Einzelausgaben erfasst |