„Seglers Handbuch” ist in dem Wunsche entstanden, erfahrenen Seglern ein guter Kamerad, der in zweifelhaften Fällen seine Ansicht äussern darf, und Neulingen ein Rathgeber zu sein, welcher ihnen Zeit, Lehrgeld und — vielleicht manchmal auch Reue ersparen möchte. Wenn es dem vorliegenden Werke überdies gelingen sollte, hier und da auch einem Fernerstehenden, einem Laien ein kleines Interesse für den Segelsport einzuflössen, ihn zum Studium anzureizen und ihn schliesslich zum begeisterten Jünger zu bekehren, so wäre der Zweck seines Daseins vollauf und über Erwarten erfüllt.
Als vor etlichen Jahren der Plan zu vorliegender Arbeit entstand, da glaubten Verfasser und Verleger hoffen zu dürfen, der deutsche Yachtsport würde in allen seinen Zweigen ein gleiches gedeihliches Wachsthum bethätigen. Leider ist diese Hoffnung nur zum Theil erfüllt worden: — dadurch, dass bisher weder der Dampfyacht- noch der Modellsegelsport sich zahlreiche Verehrer bei uns zu erwerben vermochten, mussten in diesem vornehmlich dem deutschen Sporte dienenden Werke diese beiden Zweige, dem ursprünglichen Plane entgegen, übergangen werden, — allerdings in dem festen Vertrauen, in künftigen Auflagen auch von deutschen Errungenschaften auf diesen Gebieten berichten zu können. — Die „Betrachtungen über Clubwesen und Vorrechte des Segelsport” wurden in der Zuversicht gestrichen, dass der inzwischen begründete „Deutsche Segler-Verband” den Wünschen und Hoffnungen in dieser Richtung besser und nachdrücklicher gerecht zu werden vermag, als das geschriebene Wort. Aus eben dem Grunde musste auch von der Wiedergabe der auf Seite 293 versprochenen Wettsegel-Bestimmungen, Mess- und Vergütungsverfahren Abstand genommen werden: die bisher gültigen Statuten sind dem Wunsche nach Einigung auch auf diesem Gebiete zum Opfer gefallen, und die künftig für Deutschland geltenden Bestimmungen befanden sich zur Zeit des Erscheinens dieses Werkes noch im Stadium der Berathung.
Der Verfasser mochte an dieser Stelle den Herren noch seinen besonderen Dank aussprechen, welche dem vorliegenden Werk ihr Wissen und ihre Erfahrungen so bereitwillig zur Verfügung gestellt haben, insbesondere Herrn W. A. Stahl für die vorzügliche Behandlung der „Konstruktion” und Herrn G. Belitz für die fesselnde Darstellung des „Kanoe.” — Dass die epochemachenden Werke von Dixon Kemp nicht übergangen werden konnten, wo es sich um Theorie und Praxis des Yachtbaues und Yachtsegelns handelte, ist wohl leicht erklärlich; — da wird denn auch der Leser wohl hier und da, wie einem alten Freunde, Wiedergaben und
Anklängen in Wort und Bild aus jenen begegnen. — Jedoch trotz dieser grossen Unterstützung kann das „Handbuch” noch weniger als ein anderes Menschenwerk Anspruch auf Vollkommenheit erheben; — die Seemannschaft, die Kunst des Segelns ist der Theorie im Allgemeinen abhold, und stützt sich besonders auf Praxis; die Unmöglichkeit ferner, stets objektiv zu schildern und zu urtheilen, bedingt häufig eine vielleicht subjektivere Meinungsäusserung, als sie einem Verfasser zugestanden werden darf. Umsomehr bittet derselbe den geneigten Leser nicht nur um Nachsicht, sondern ganz besonders darum, ihm abweichende Ansichten
und Erfahrungen mündlich oder schriftlich mittheilen zu wollen: nur auf solchem Wege lässt sich im Laufe der Zeit ein Werk schäften, welches innerhalb seines Wirkungskreises als „nützlich und zuverlässig” bezeichnet werden kann.</p
Und so tritt „Seglers Handbuch” nunmehr seine Fahrt auf dem Meere des Lebens an mit dem Wunsche, dass der deutsche Segelsport fort und fort kräftiger und mächtiger emporblühen möge, zu seiner Ehre und des Vaterlandes Besten!
Helenenhöhe bei Kolberg, Dezember 1888.
A. Muchall-Viebrook,
Kapitänleutnant der Seewehr.
(Seite 477)
(Seite 478)
| Papierart | Normal |
|---|---|
| Einband | Leinen |
| Format | Handbuch - teilweise farbig |
| Ausgabeart | Hardcover |
| Fundort | Klassik-Boote |
| Buch-ID | 25 |
| Keine Einzelausgaben erfasst |