Die Geschichte von Hellmuth Fugmann – Ein Pionier des deutschen Bootsbaus

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Einleitung: Der Aufstieg eines Bootsbau-Genies

Hellmuth Fugmann wurde am 12. Juli 1901 in Plauen im Vogtland geboren, einer Stadt, die für ihre berühmten Plauener Spitzen und andere hochwertige Textilprodukte bekannt war. Sein Vater, Richard Fugmann, war selbst als Dessinateur – also Musterzeichner – im Textilgewerbe tätig. Diese künstlerische Ader sollte sich später auch bei Hellmuth Fugmann zeigen und zum Grundstein seiner beeindruckenden Karriere werden.

Schon früh zeigte Fugmann ein starkes Interesse am Schiffsbau und wollte Bootsbauer werden. Mit nur 15 Jahren begann er 1916 seine Lehre in der Bootswerft Karnatz & Lehmann in Friedrichshagen, die er 1917 erfolgreich abschloss. Sein außergewöhnliches zeichnerisches Talent fiel schnell auf, sodass er anschließend zu einem Volontariat in die Naglo-Werft in Zeuthen eingeladen wurde. Hier arbeitete er ein Jahr lang im Schiffsbautechnischen Büro, bevor er bis 1920 als Schiffsbautechniker bei dem Betrieb beschäftigt war, der inzwischen nach Spandau umgezogen war.

Der Beginn der Selbstständigkeit

Entgegen der offiziellen Darstellung in Fugmanns Lebenslauf fanden die Recherchen heraus, dass er bereits 1920 selbstständig als Schiffbaukonstrukteur tätig gewesen sein muss – möglicherweise sogar noch zusätzlich zu seiner Anstellung. So schaltete er im Dezember 1920 eine eigene Werbeanzeige in der Zeitschrift „Die Yacht“, in der er seinen Sitz in Berlin-Rahnsdorf angab.

In den folgenden Jahren konstruierte Fugmann Boote für zahlreiche private Auftraggeber, Behörden und mehr als zwanzig verschiedene Werften. Allein in der Zeitschrift „Die Yacht“ finden sich über 49 Risse, die aus seiner Feder stammen. Darunter waren auch Aufträge für die Bootswerft Chr. Hintz & Co., für die er 1921 einen 30 qm Kielkreuzer, ein Autorennboot und ein weiteres Rennboot entwarf.

Fugmann als Konstrukteur in Kriegszeiten

Im Mai 1943 wurde Hellmuth Fugmann schließlich von der Yachtwerft Claus Engelbrecht in Berlin-Köpenick als Konstrukteur dienstverpflichtet. Dort übernahm er die Betriebs- und Bauaufsicht, bis ihm diese Aufgabe im Juli 1944 durch den Einsatz eines NSDAP-Mitglieds wieder entzogen wurde. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war er jedoch weiterhin mit der Betreuung anderer Werften beschäftigt.

Nach der Kapitulation setzte die neu gegründete Zentralverwaltung für Verkehr, Generaldirektion Schifffahrt, Hellmuth Fugmann als Betreuer der Berliner Bootswerften ein. Seine 25-jährige Erfahrung im Kleinbootsbau kam ihm dabei sehr zugute.

Die Rettung der Yachtwerft Engelbrecht

Am 1. Juni 1946 wurde Hellmuth Fugmann dann auf Anordnung der SMAD zum technischen Leiter der Yachtwerft Claus Engelbrecht berufen. Das Vermögen des bisherigen Besitzers war laut SMAD-Befehl Nr. 124 beschlagnahmt worden, sodass das Bezirksamt Köpenick den Firmenmitinhaber Dr. jur. Erwin Engelbrecht als Treuhänder einsetzte.

Fugmann unterstützte in den folgenden Jahren maßgeblich die Weiterentwicklung der Yachtwerft Engelbrecht und erhielt 1951 einen Einzelvertrag als Chefkonstrukteur. Unter seiner Leitung entstand hier eine Vielzahl erfolgreicher Bootsentwürfe.

Die Anerkennung als Ingenieur

Am 1. Februar 1958 wurde Hellmuth Fugmann auf Anordnung der DDR-Führung durch das Ministerium für Schwermaschinenbau offiziell die Berufsbezeichnung „Ingenieur der Fachrichtung Schiffbau“ verliehen. Dies war eine lang verdiente Anerkennung seiner herausragenden Leistungen und Fähigkeiten.

Fugmann blieb bis zu seinem 65. Geburtstag am 15. Juli 1966 als Chefkonstrukteur in der Yachtwerft Engelbrecht, die inzwischen in VEB Yachtwerft Berlin umbenannt worden war. An diesem Tag beendete er seine berufliche Laufbahn mit einem Aufhebungsvertrag.

Ein Leben für den Bootsbau

Hellmuth Fugmann gehört zweifellos zu den bekanntesten und einflussreichsten Bootsbau-Konstrukteuren Deutschlands. Im Laufe seiner Karriere entwarf er eine Vielzahl preisgekrönter Boote, darunter zahlreiche Weltmeisterboote, das schnellste Polizeiaufsichtsboot, den schnellsten Diesel-Polizeikreuzer sowie die Mathea III, die 1938 den Stundenweltrekord in der 1.200 Kg-Klasse errang.

Sein Lebenswerk und seine Errungenschaften im Bootsbau werden wir in gesonderten Beiträgen noch ausführlicher beleuchten. Hellmuth Fugmann starb am 5. Dezember 1971 und wurde auf dem Friedhof Rahnsdorf beigesetzt.

Einen ausführlichen Beitrag finden Sie hier

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Mein Name ist Detlev Pickert, geboren 1957 in Berlin-Zehlendorf. Einen Teil meiner Jugend verbrachte ich im Schwarzwald und schloss dort meine Lehre als Zimmermann mit einer Gesellenprüfung ab. Nach meiner Rückkehr nach Berlin begann ich in der IT-Branche zu arbeiten; damals gab es in Deutschland noch keine PCs. Mein erster Job war am Großkauf am Saatwinkler Damm; dahinter befand sich König-Motorenbau. In meiner Freizeit beobachtete ich Dieter König und seine Mitarbeiter bei ihren Testfahrten. Das Geschehen faszinierte mich sehr. Nach einem Umzug in den südöstlichen Teil Berlins absolvierte ich 2002 den Bootsführerschein und mein erstes Boot war eine Plaue. Mich interessierte schon immer, wer diese wunderbaren Fahrzeuge konstruiert und gebaut hat, wodurch meine Recherchetätigkeit begann, die mich bis heute nicht losgelassen hat. Hunderte von Interviews mit alten Bootsbauern, Werftbesitzern und Motorenschlossern sowie Recherchen in Bibliotheken, Büchern und Magazinen haben ein umfangreiches Wissen angesammelt. Nach einer Pause von etwa zehn Jahren wird nun sukzessive viel dieses Wissens auf dieser Plattform veröffentlicht. Keine Geschichte ist abgeschlossen, da täglich neue Informationen hinzukommen. Ich habe weder Germanistik noch Journalismus studiert; ich schreibe einfach so, wie mir meine Gedanken kommen. Wer sich daran stört, findet sicherlich andere Seiten, auf denen er sich wohler fühlt.