Karl Marconi

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Karl Marconi wurde am 26. Oktober 1897 in Wien geboren. Seine Eltern, der Wiener Hofrat Adolfo Marconi und die in Wien geborene Helene von Stoffella d´alta Rupe, zogen ihren Sprößling zweisprachig auf. Marconis wohnten abwechselnd in Trient (Trente) und Wien. Sein Vater war Trientiner, folglich war der richtige Name von Karl Marconi -> Carlo Marconi. In Wien ging er zur Schule, die Ferien verlebte er regelmäßig an den schönen oberösterreichischen Seen. Schon in jungen Jahren pflegte er den Rudersport auf der Donau. Den letzten Anstoß zu seinem Entschluss, sich dem Wasser zu widmen, gab ein langer Sommeraufenthalt an der Adria. Er wollte Seeoffizier werden, doch als er so weit gewesen wäre, hatte der für Österreich besonders unglückliche Ausgang des ersten Weltkrieges diesem Land mit dem Küstengebiet auch die Flotte genommen. Karl Marconi lakonisch: „Und so wurde ich Schiffbauer“. Um es ganz klar zu sagen: Er wurde es. Er „beschloß“ es nicht . . . , besuchte die Wiener Technische Hochschule, Spezialgebiet Schiffbau. Das Diplom erteilte ihm im Jahre 1921 die Technische Hochschule Berlin, nachdem er vorher schon als Praktikant auf der Schiffbau A. G. Weser in Bremen tätig gewesen war. Die dort herrschende feuchte Luft und der Großwerft-Betrieb wehten nicht spurlos an ihm vorbei, sie vertieften die große Liebe zu seinem Beruf.

Auch für ihn hatte der Weg zum Boots- und Kleinschiffbau die gleichen Gründe wie bei den meisten seiner Kollegen: In diesem Metier kann man die Objekte bis zur Fertigstellung allein bewältigen, wobei Karl Marconi noch seinen eigenen Charakterzug in die Waagschale warf, sich als „Eigenkrämer“ zu bezeichnen, der sich nicht gern ins Handwerk und in seine Ideen hineinpfuschen läßt. Eine mittelgroße Werft in Pritschitz am Wörthersee war der erste „Job“, den der junge Karl Marconi annahm. Dort war er von 1921 bis 1923 als technischer Leiter angestellt. Als es dem Betrieb nicht mehr so gut ging, zog es den an der Donau Geborenen an die Spree nach Berlin. Dort blieb er insgesamt zwanzig Jahre! Seine erste Anstellung in Berlin fand er als Konstrukteur bei der Yachtwerft Naglo. Am 07. April 1925 ließ er sich als freier Konstrukteur in Berlin-Spandau nieder. Karl Marconi heute über seine Arbeit: „Mein Hang schwankte zuerst in Richtung Segelboot, da aber zur gleichen Zeit die Motorisierung auf dem Wasser begann, hielt ich es für schlauer, mich auf die Motorboote zu spezialisieren. “ Tat’s – und machte sich hier einen Namen. Zwischendurch leistete er sich zwar einige „Rückfälle“, zeichnete hin und wieder einige Segelboote, vornehmlich Jollenkreuzer, besorgte die Pläne für eine Reihe Umtakelungen von der Gaffel- zur Hochtakelung, stellte auch hier seine Kundschaft zufrieden, hatte sich aber insgesamt gesehen mit Leib und Seele dem Bau von Motorbooten verschrieben.

 

10. Auflage Karl Marconi
10. Auflage Karl Marconi

Unser Gesprächspartner macht einen kleinen Gedankensprung: „Daß einmal Zulassungssperren und ,Importe en qros‘ kommen würden, konnte ich damals nicht ahnen!“, um dann wieder auf seinen weiteren Werdegang überzuleiten. Die Einführungszeit war für ihn ein Weg, auf dem es recht wenig Rosen, dafür umso mehr Dornen gab. Aber trotz bereits ansässiger Konkurrenz biß er sich durch. Soweit, daß er sich erst auf nationaler und dann schließlich auf internationaler Ebene das machen konnte, was man landläufig einen „guten Namen“ zu nennen pflegt. Karl Marconi ging unter die Fachautoren. Ausgerechnet in der „Sauregurkenzeit“ nach dem Börsenkrach in den USA verfaßte er die erste Auflage seines Buches „Wie konstruiert und erbaut man ein Boot?“. Der Verlag Klasing brachte das „Erstlingswerk“ sowie bis heute neun weitere Auflagen des schreibenden Konstrukteurs heraus. Viele Leser haben dieses Werk als Selbstbauanleitung verstanden, aber wie jeder gewissenhafte Ingenieur, so kann auch Marconi nichts vom Selbstbau halten – „Möbel und Schuhe ausgenommen“.

Wie Marconi zu seinem Beruf stand und steht, wie er sich dafür einsetzte, ohne Furcht vor einer ihm eventuell erwachsenden Konkurrenz aus dem Nachwuchs, eben diesen Nachwuchs selbst zu schulen, mag diese kleine Episode verdeutlichen: Zu jener Zeit schloß die Lehrlingsschule der Abteilung Bootsbau in Berlin-Köpenick ihre Pforten. Karl Marconi mietete in Spandau für die Abende einen Schulsaal und erteilte den plötzlich ohne Aussicht auf weitere Berufsförderung gebliebenen Lehrlingen wenigstens den theoretischen Bootsbau-Unterricht. Die Miete zahlten sie alle gemeinsam. Daß er bei diesen Abenden über einen Mangel an Besuch nicht zu klagen hatte, sei nur am Rande vermerkt.

Den Schiffbauer Karl Marconi zog es nicht allein zu den Booten und Yachten. Er wandte sich auch größeren Objekten zu. Den Wasserfahrzeugen, die die Sportschifffahrt und Berufsschiffahrt benötigten. Sie wurden seine Kundengruppen. Bis vor dem zweiten Weltkrieg fuhren 24 von ihm konstruierte Fahrgastschiffe (zwischen 18 und 35 m), darunter auch einige als Dampfer, in Berlin selbst und ebensoviele Stromschlepper auf der Spree, Havel und Oder. Dazu kamen einige Behördenboote, Polizeiboote und weitere Fahrzeuge im See- und Küstendienst. Alle Marconischen Fahrzeuge zeichneten sich durch ökonomischen Betrieb, geringe Wellenbildung und praktische Inneneinrichtung aus. 

Im Yachtbau beschäftigte sich Marconi mit der Konstruktion von Motorkreuzern und Autobooten für viele namhafte Unternehmen wie Mathan, Brumm, Engelbrecht, Bootswerft Markus Glas, um nur einige aufzuzählen. Marconi ist Mitte der 30-ziger Jahre auf der Höhe seines Schaffens. Die schweren Jahre des Kampfes um Arbeit und Anerkennung lagen nun hinter ihm. Motorboote jeder Art, Fahrzeuge für Behörden und Berufsschiffahrt entstehen in rascher Folge auf seinem Reißbrett. Seine publizistische Arbeit erweiterte er neben dem oben genannten Buch durch zahlreiche Aufsätze über technische und wissenschaftliche Grundlagen des Motorbootbaues und der Veröffentlichung seiner Konstruktionen in der „Yacht“.

Karl Marconi vor seinem konstruierten Rennboot Tom-Tom
Karl Marconi vor seinem konstruierten Rennboot Tom-Tom

Über das folgende Kapitel mag Karl Marconi mit seinen Worten erzählen: „In den Schnell- und Rennbootsbau schlidderte ich fast ohne es zu merken. Was ich aber bald merkte, war die Begeisterung. Ich erwarb mir viele Dauerkunden – mit Dauersiegen. Ein paar Weltrekorde blieben auch auf der Km-Strecke an meinen Booten kleben. Der erste, der sich viele Jahre hielt, war der von Franz Pfennig mit einem Außenbord-Rennboot, dem ersten ganz in Sperrholz gebauten Boot. Das kam allerdings nicht von ungefähr. Ich hatte damals an der Erprobung und Einführung des eben geschaffenen wasserbeständigen Sperrholzes für den Bootsbau aktiv mitgearbeitet. Auf der Werft Brumm, jetzt ein sogenannter ‚volkseigener Betrieb‘ in Ostberlin, bauten wir dann ein Einbaumotor-Stufen-Rennboot, über Wasser in Stromlinienform, ähnlich einem holländischen Holzschuh, und restlos aus Sperrholz. Zwecks Gewichtsersparnis und wohl auch zum erstenmal überhaupt waren auch die Spantrahmen aus Sperrholz ausgeschnitten und innen und außen mit Leisten „garniert“. Sie ergaben jedenfalls beste Festigkeit. Wenn Sie es genau wissen wollen: Es handelte sich um das Rennboot ‚Tom-Tom‘, das noch nach dem Kriege in Norddeutschland mehrere Siege herausfuhr.“.

Rekord Boot Vera Cruz am 23.9.1957 in Sarnico - Bootswerft Markus Glas - Fahrer Heinzl Rosterg- Monteur Juergen Stuck - aus Nachlas Renate Marconi für klassik-Boote
Rekord Boot Vera Cruz am 23.9.1957 in Sarnico – Bootswerft Markus Glas – Fahrer Heinzl Rosterg- Monteur Juergen Stuck – aus Nachlas Renate Marconi für klassik-Boote

Gleichzeitig damit wurden nach den Entwürfen von Karl Marconi auf anderen Werften Außenbord-Tourenboote mit Sperrholzbeplankung (wohlweislich: nicht Beplattung) gebaut. Marconi dürfte auch unbestritten der erste Konstrukteur gewesen sein, der ein Boot mit Längsstufen auf dem Reißbrett und in der Werft entstehen ließ. Fünf Jahre lang wurde dieses Boot Abonnements-Sieger bei den verschiedendsten Rennen. Diese Methode kam etwa drei Jahre später (Karl Marconi: „Mir scheint, als Bumerang!“) aus den USA wieder zurück, und zwar sehr geschickt mit scharfkantigem Klinkerbau verbunden. Ubrigens: Als um das Jahr 1930 die Vorschriften für die Außenbord-Bootsklassen, die bis auf den heutigen Tag nur unwesentlich abgeändert noch immer Gültigkeit haben, geschaffen wurden, gehörte auch hier Karl Marconi zu denen, die maßgeblich daran beteiligt waren.

Sei noch zu ergänzen, dass das von ihm konstruierte Gleitboot „R. V“ für Paul Baatz einen großen Bekanntheitsgrad erreichte und damals das schnellste deutsche 12-Liter-Boot war. Die Erfolge sind auch der glücklichen Hand Marconis bei seinen umfangreichen Studien der Propeller- und Wellenbildung zu verdanken. Die gesamte in- und ausländische Presse schrieb über den Weltrekord des Autbordrennbootes Genz in der 175-ccm Klasse (A junior), welcher kurze Zeit später durch Franz Pfennig erneut eingestellt wurde.

Marconi als zweiter amtlicher Vermesser fuer das Berliner Revier ernannt Yacht 1932 Heft 24 Seite 4
Marconi als zweiter amtlicher Vermesser fuer das Berliner Revier ernannt Yacht 1932 Heft 24 Seite 4

Auch der Deutsche Motoryachtverband hat sich die ehrenamtliche Mitarbeit Marconis gesichert. Er wurde zum amtlichen Vermesser des Deutschen Motoryachtverbandes berufen und übt bei allen motorbootsportlichen Veranstaltungen das ebenso schwierige wie undankbare Amt des Handikapers aus.

Karl Marconi auf Bootswerft Glas mit Facharbeiter - Boot Karin - (c) Marconi-Nachlass für Klassik-Boote
Karl Marconi auf Bootswerft Glas mit Facharbeiter – Boot Karin – (c) Marconi-Nachlass für Klassik-Boote
Carlo (Karl) Marconi nach dem 2WK  in Genua als Handelsvertreter
Carlo (Karl) Marconi nach dem 2WK in Genua als Handelsvertreter

Der Krieg sah den mit allen Wassern gewaschenen Karl Marconi anfangs auf dem völlig „falschen Dampfer“ – nämlich bei der Infanterie. Dann allerdings fand man für ihn eine bessere Verwendung in Werften, die für Marine und Heer arbeiteten. Er sah sich bei der Transportflotte Speer. Was es heißt, mit den primitivsten Mitteln doch etwas zu schaffen, erfuhr Marconi, als er mit 90 ansässigen Russen in Jalta beschädigte Transportschiffe und lädierte Fischkutter reparieren musste. Marconi: „Bei der Gelegenheit habe ich die sprichwörtliche russische Geschicklichkeit kennengelernt.“ Bei Kriegsende saß Marconi in Italien. Als Kriegsgefangener der Amerikaner. Halten konnten sie ihn allerdings nicht. Er „ging“ aus dem Lager. Ohne Genehmigung. Ziel: Genua. In Italien ist er dann auch geblieben. Die ersten Jahre ohne europäischen Motorbootbau waren für ihn (er selbst: „Ein bisschen einseitig geworden … „) nicht gerade einfach. Als Werkzeugvertreter schlug er sich durch. 1951 aber, als seine deutschen Freunde wieder Kontakt mit ihm suchten, um alte Verbindungen aufleben zu lassen, fand er den Weg zurück zu seinem Beruf als Konstrukteur. Seine Vertretungen ließ er „sausen“. Nach und nach.

Wie arbeitet es sich als Deutscher in diesem Metier in Italien, wo man ja schließlich auch seine Bootsbauer hat? Wie sieht es mit dem Konkurrenzkampf aus? Karl Marconi: „Glauben Sie’s oder glauben Sie’s nicht: In Italien bin ich als Boots-Konstrukteur so gut wie unbekannt. In all den Jahren habe ich ganze zwei Aufträge von italienischer Seite, und auch die nur als reine Zufälle, buchen können. Ein bißchen habe ich für die Schweiz gearbeitet, ein paar Aufträge auch für Österreicher ausgeführt. Diese wenigen ‚Seitensprünge‘ abgerechnet, habe ich aber praktisch nur für deutsche Bootsfahrer und Werften gearbeitet. Trotzdem habe ich, wenn ich es mir heute ehrlich eingestehe, nicht genug in die Zukunft geschaut, da ich anfangs ja allein schon aus Deutschland mehr Aufträge hatte, als ich bewältigen konnte. Dann nämlich kamen die Zulassungssperren und die Importe. Das Ende vom Lied:

Karl Marconi – 1975

Seine Stationen:

sta_name sta_pid sta_date wdt_ID sta_Lfdnr von bis als bei
Marconi, Karl 100 17 Nov 2023 07:56 1 1 26. Oktober 1897 geboren in Wien
Marconi, Karl 100 2 2 ? 1921 Studium Schiffbau- und Schiffmaschinenbau Technische Hochschule in Wien
Marconi, Karl 100 3 3 1920 1921 Praktikant (Begleitend zum Studium) Schiffbau A. G. Weser in Bremen
Marconi, Karl 100 4 4 1921 Diplom Schiffbau- und Schiffsmaschinenbau-Ingenieurfach (kein Schreibfehler) Technische Hochschule in Wien (Übergabe des Diploms in TH Berlin)
Marconi, Karl 100 5 5 1921 1923 technischer Leiter Richard Young in Pritschitz Wörthersee
Marconi, Karl 100 6 6 1923 1925 Konstrukteur Naglo Weinmeisterhorn Berlin
Marconi, Karl 100 7 7 07. April 1925 ? selbst. Konstrukteur Berlin-Spandau
Marconi, Karl 100 8 8 1945 1951 Vertreter für Werkzeuge Genua, Italien
Marconi, Karl 100 9 9 1951 1977 selbst. Konstrukteur Genue, Italien

Berlin im März 2011 (dp)


Anmerkung der Redaktion: 

Die hier niedergeschriebene Biographie basiert auf ein persönliches Interview, welches Carlo Marconi im Jahre 1975 gegeben hat. Seine Tochter, Renate Marconi, hat uns dieses Interview und auch sämtliches Bildmaterial in Original zur Verfügung gestellt. Klassik-Boote hat den Text an vielen Stellen auf Basis eigener Recherchen erweitert.

Wir danken Frau Marconi recht herzlich für Ihre umfangreiche Unterstützung und die Überlassung eines seiner persönlichen Bücher mit handschriftlichen Notizen. Gabi und Peter Twelkmeyer (Marina Lanke) sowie Manfred Ernst danken wir ebenfalls für einige ergänzende Informationen. Die Biographie ist hier nicht zu Ende, da während der Recherche anderer Werften stetig neue Informationen gefunden werden.

Vorderkajütboot Baltic (Manfred Ernst)

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Baltic - Riss Manfred Ernst
Baltic – Riss Manfred Ernst

Das Vorderkajütboot BALTIC, ein aus Mahagoniholz geplankter Knickspant-Kajütkreuzer, der Entwurf stammt von Manfred Ernst, ein sogenannter Ernst-Riss. Es handelt sich um ein Gleitboot, das besonders für das Befahren von rauhem Wasser konstruiert wurde. Der durchgeszogene tiefe V-Boden gibt in Verbindung mit der englisch geklinkerten Bodenkonstruktion hervorragende Fahreigenschaften. Kursbeständigkeit und weiches Einsetzen bei Wellengang sind die besonderen Merkmale dieses Bootstyps.

Dieses Boot zeigt den Anspruch, den Manfred Ernst stets an sich selbst stellte: Ästhetik wohin das Auge schaut, technisch auf den damals höchsten Stand, Materialien nur die Besten, und eine Raumaufteilung, die für diese Schiffsgröße einmalig war. Es fehlte an nichts und die Fahreigenschaften der Baltic waren sensationell. Selbst an Kleinigkeiten, wie in den Kajütseitenwänden eingelassene Lüfter für eine Ventilation der Kajüte, hatte er gedacht.

Die Baltic auf der Pariser Bootsmesse 1969
Die Baltic auf der Pariser Bootsmesse 1969

Die Baltic wurde in der VEB Yachtwerft Berlin gebaut . Auf der Pariser Messe im Jahre 1969 stellte die DDR die Baltic aus und handelte einen Großauftrag mit Frankreich aus. Daraufhin produzierte die Yachtwerft eine größere Stückzahl, die jedoch in Frankreich nicht mehr abgesetzt werden konnte. Zu dieser Zeit war Valéry Giscard d’Estaing Ressortchef für Wirtschaft und Finanzen in Frankreich und hatte im Frühjahr 1970 den Franc abwerten lassen, weil er Frankreich als Wirtschaftsmacht in Europa nach vorne bringen wollte. Der so gehandelte Franc war mehr als 14% preiswerter. Dies hatte die Kalkulation der Yachtwerft völlig über den Haufen geworfen. Der Grund ist klar: Das Boot wurde nur mit hochwertigen Materialien gebaut, die aber auch nur über Devisen aus dem Ausland beschafft werden konnten. Also…das Boot war in der Fertigung schlicht zu teuer. Die Aussage, dass die bereits gebauten Boote damals in der DDR „verteilt“ wurden, überwiegend an die GST Seesportclubs, konnte nicht verifiziert werden. Eine Baltic haben wir in Wendisch Rietz gefunden, welches damals dem GST Seesportclub gehörte. Dieses Boot ist jetzt in Privatbesitz und wird demnächst hier vorgestellt.

Bauausführung

Der Bootskörper ist aus erstklassigem massivem Mahagoniholz gebaut. Der Boden ist verkehrt (englisch) geklinkert, die Seiten in Stableistenbauweise hergestellt. Ein Verbandsystem aus festen und eingebogenen Spanten, durchgezogenen Fundamenten und selbsttragenden Schotten gibt dem Körper bei geringem Gewicht die größtmögliche Festigkeit. Diese aufwendige Bauweise (annähernd 60 Spanten) wurde aus dem Rennbootsbau abgeleitet und stellt ein Optimum der Massivholzbauweise dar. Kajüt- und Hauptdeck sind aus Mahagonisperrholz verlegt, die Plicht erhält ein Teak-Scheuerdeck. Kajütwände, Reeling, Abweiser und Setzbord sind aus massivem Mahagoni. Die Beschläge sind aus eloxiertem Hydronalium, die Fensterrahmen und die Rahmen der Windschutzscheibe aus dem gleichen seewasserbeständigen Material hergestellt, das keinerlei Wartung bedarf. Die Frontscheiben sind aus gebogenen Dickglas, die Seitenfenster lassen sich zum Teil öffnen.

Einrichtung

Inneneinrichtung der Baltic
Inneneinrichtung der Baltic

Die Vorderkajüte bietet Platz für 4-5 Personen. In der Spitze des Bootes ist eine Doppelkoje vorhanden. Das Kopfende läßt sich aufstellen; so wird ein großer Bettenstauraum zugänglich.

Auf der Backbordseite ist eine Dinette eingebaut, die sich mit wenigen Handgriffen in ein Doppelbett umwandeln läßt. Unter den Sitzen ist reichlich Stauraum vorhanden, unter der Dinette ist ein großes Schuhfach. Die Außenhaut ist mit abwaschbaren Platten gewegert.

Pantry der Baltic
Pantry der Baltic

Steuerbordseitig sind WC und Pantry untergebracht. Ein 35 Liter Petroleum-Kühlschrank, eine Abwäsche mit Pantrypumpe, Spirituskocher, 2 Schubkästen, 1 Geschirrschrank und ein Kleiderschrank – alles auf engstem Raum – gut durchdacht und zweckmaßig. Die Pantry ist natürlich mit schnittfestem Kunststoff versehen.

Der WC-Raum ist mit einem amerikanischen Pumpklosett Fa. Wilcox ausgerüstet. An einem Paneelbrett sind Halterungen für Zanhputzgläser und eine Kunststoffwaschschüssel angebracht. Mit einer Pantrypumpe wird das Wasser aus dem 110 Liter Frischwasserbehälter gepumpt. Die Schüssel kann in das WC entleert werden. Bei Nichtgebrauch ist die Schüssel in einer Halterung an der Bordwand befestigt.

Kockpit der Baltic (re. Christa Ernst)
Kockpit der Baltic (re. Christa Ernst)

Das große Kockpit (2,8 m x 2,0 m) schließt sich achtern an die Kajüte an. Die Bodenfläche ist von keinem Kasten unterbrochen. Die Patent-Klappsitze lassen sich als Steuermannssitz oder normaler Bordstuhl verwenden. Am Steuerpult sind alle erforderlichen Instrumente, Bedienungshebel, Yachtrad und ein Brennstoffabsperrhahn vorhanden. Unter dem Kockpit ist ein großer Stauraum. Die hohe Mahagonireling hat eine Klappe, die das Aus- und Einsteigen erleichtert.

 

Hauptabmessungen

Länge ü. a. 7,50 m
Breite ü. a. 2,50 m
Tiefgang, Rumpf 0,45 m
Tiefgang, Antrieb 0,75 m
Kajütinnenhöhe 1,80 m
Gewicht ca. 1.800 kg
Schlafplätze 4-5
Brennstoff ca. 100 ltr
Frischwasser ca. 110 ltr
Geschwindigkeiten:
1x Penta-Aquamatic 100/200 35 - 40 km/h
1x Penta-Aquamatic 150/200 40 - 45 km/h
2x Penta-Aquamatic 100/200 45 - 50 km/h

Nixe Bootswerft und Handlung

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Der Speditionskaufmann Franz Ludwig gründete 1920 die „NixeBootswerft aus einem glücklichen Zufall heraus. Im Frühjahr 1919 wollte er bei einem Bootsbaumeister ein Ruderboot kaufen. Der Bootbaumeister musste aber passen, die Nachfrage war zu dieser Zeit bereits wieder stark angestiegen. Wenn er jetzt ein Boot bestelle, könne er es im Herbst bekommen, meinte der Bootsbaumeister. Dies brachte Franz Ludwig auf die Idee, selbst Boote zu bauen und zwar in Serie und auf Vorrat.

Typenschild des geklinkerten Kanadier - webmaster
Typenschild des geklinkerten Kanadier – webmaster

Er gründete 1920 auf der Freundschaftsinsel in Potsdam, Burgstr. 24, seinen Betrieb „Nixe Bootswerft & Handlung“. In den folgenden Jahren entstanden in seiner Werft Paddelboote, Kanadier, Angelboote und Sportboote. Später auch Kajütboote und Autoboote. Als Werkstoff wurde überwiegend Holz, bei den Kajütbooten später auch Stahl verwendet.

1927 auf der AWA-Messe in Potsdam
1927 auf der AWA-Messe in Potsdam

Im Frühjahr 1927 stellte die Nixe Werft erstmals auf der „Allgemeinen Wassersport-Ausstellung“ (AWA) im Luftschiffhafen in Potsdam Ihre Exponate aus. Auf dem Außengelände präsentierte Franz Ludwig dem Publikum ein 6,60 m x 1,40 m Autoboot mit einem eingebauten Ford-Motor, einige Paddelboote und einen geklinkerten Kanadier mit 1 1/2 PS Einbaumotor, sowie einen 1 PS König-Außenbordmotor. Der Ausbruch des zweiten Weltkriegs legte den Betrieb von Franz Ludwig, der „nicht in der Partei war“, völlig lahm. Er und seine Mitarbeiter wurden in verschiedenen Betrieben „dienstverpflichtet“. Im Jahre 1945 wurde die Werft von der deutschen Wehrmacht angezündet. Der Grund ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Unmittelbar nach Kriegsende 1945 suchte sich Franz Ludwig einen neuen Produktionsstandort, den er auch in Potsdam schnell gefunden hatte. Er kaufte sich eine alte Baracke, setzte diese in Stand und musste im Prinzip bei Null anfangen. In den nächsten Jahren hatte er zusammen mit Wilhelm Görrissen, Robert Beelitz (sen.) und anderen Bootsbauern Reparationsleistungen (in der DDR hieß es Wiedergutmachung) gegenüber der Sowjetunion erbringen müssen. Sie mussten gesunkene Schiffe wieder aufbauen und beschädigte Schiffe Instand setzen. 1946 musste die Familie Ludwig innerhalb von 24 Stunden ihr Haus und ihren Produktionsstandort verlassen. Die Boote und das Haus unterlagen wohl den Reparationsleistungen. Franz Ludwig kaufte am „Kleinen Wannsee“ in Berlin ein Grundstück, auf dem eine Lagerhalle für ca. 400 Boote und eine Werkstatt gebaut wurde. Hinzu kamen ein Büro, Umkleideräume und Wohnraum. Die Produktion von Kanadier und Angelkähne lief langsam an, da die Materialbeschaffung sehr schwierig war und die Nachfrage verständlicher weise erst langsam anzog. Erst mit Einführung der DM-Mark im Juni 1948 (Währungsreform) zog die Serienfertigung wieder an, da auch die Nachfrage gestiegen war. Gute Kunden waren die Alliierten, die sich zunehmend auch für Boote interessierten. Mit seinen 50 Mitarbeitern baute die Nixe-Werft bis zu 10 Meter Kajütboote. Einen nicht unerheblichen Anteil hatten auch die Behörden, die Wasserschutzboote bestellten.

1955 auf der AWA in Berlin - Messe unter dem Funkturm
1955 auf der AWA in Berlin

1952 zog die Familie noch einmal um, quasi um die Ecke zum „Großen Wannsee“. Dort wurden neue Hallen für ca. 1.000 Boote, Winter-Liegeplätze, Wasserliegeplätze für ca. 250 Boote, eine große Werkstatt und ein Wohnhaus errichtet. In dieser Zeit war die Nachfrage so groß, dass die Nixe-Werft einen großen Teil ihrer Produktion aus dem Ostteil der Stadt bezogen hatte und die Boote im Westen verkaufte. Der Handel florierte. Einige der Boote wurden von Theo und Manfred Ernst konstruiert. Unter anderem hatte auch die Werft von Willi Lehmann Kanadier und geklinkerte Angelkähne für die Nixe-Werft gebaut. 1955 stellten Franz und Wolfgang Ludwig ihr Programm auf der Internationalen Wassersportausstellung unter dem Funkturm in Berlin zur Schau. Eine kleine Geschichte hierzu: Hans Pfennig, der die Messe besuchte, sah sich die Kanadier an und er fragte Wolfgang Lugwig, dass ihm die Kanadier bekannt vorkommen, ob die Nixe-Werft diese gebaut hätte. Herr Ludwig bestätigte dies. Herr Pfennig ging schmunzelt weiter. Er wusste natürlich, dass er es war, der diese Boote in der Werft von Willi Lehmann baute.

Nixe Achterkajütboot - Konstrukteur: Theo Ernst, Gebaut in der VEB Yachtwerft
Nixe Achterkajütboot – Konstrukteur: Theo Ernst, Gebaut in der VEB Yachtwerft

Ende der 50-ziger übernahm die Nixe-Werft den Vertrieb für die West Bend & Shark – Outbord-Motoren aus Amerika. Um den Verkauf anzustoßen, suchte Franz Ludwig ein geeignetes Boot. Da die Nixe-Werft mit den bisherigen Booten aus der DDR sehr zufrieden war, erhielt Theodor Ernst den Auftrag, ein modernes, jedoch preiswertes Boot für diese Motoren zu konstruieren. In dieser Zeit erlebten die Achterkajütboote eine große Aufmerksamkeit und es lag nahe, dass das abgebildete „Wochenendboot“ von Theodor Ernst konstruiert und von der VEB Yachtwerft gebaut wurde. Von diesen Booten sind einige im „Westen“ verkauft worden.

1967 übergab Franz Ludwig die Geschäftsführung an seinen Sohn Wolfgang Ludwig ab und setzte sich zur Ruhe.


Ein Beitrag zur Erfindung der Motorbremse – Das Boot hierfür kommt von der Nixe – Bootswerft


Berlin im Oktober 2008 (dp)
Klassik-Boote dankt Jens Görrissen, Manfred Ernst und Markus Fröhlich für die Unterstützung und die Überlassung der Informationen. Der Artikel wird zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt.

Oswald Ernst

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Liebesinsel Alt-Stralau - Besitz der Familie Ernst
Liebesinsel Alt-Stralau – Besitz der Familie Ernst

Oswald Ernst ist 1875 in Schlesien geboren und war von Beruf Zillenschlächter. Wie kam er nun zum Bootsbau? Seine Tante war die Besitzerin der Liebesinsel in Stralau. Auf dieser Insel führte sie das am Wasser gelegene Ausflugslokal „Tante Anna“. Fontane erwähnt in seinem Buch „Irrungen und Wirrungen“ das Treiben auf der Insel. Sie steht seit Jahresbeginn 2002 unter Naturschutz. Die Kellergewölbe des Ausflugslokals auf der Liebesinsel sollen in Zukunft Fledermäusen als Winterquartier dienen.

Liebesinsel Stralau - seitlich liegend die Kaffenkähne zum Abwracken
Liebesinsel Stralau – seitlich liegend die Kaffenkähne zum Abwracken

Oswald Ernst fuhr als junger „Bursche“ die Besucher zwischen der Insel und dem Festland mit dem Kahn. Im Freibad von Stralau arbeitete er als Bademeister.

1898 machte er sich selbstständig und gründete die Bootswerft Oswald Ernst in Stralau bei Berlin und fing an, Motor- und Segelboote zu bauen. Sein Hauptgeschäft war allerdings in den eisfreien Monaten Zillenschlächter, er schlachtete Äppelkähne aus. Das brachte ihm sehr viel Geld ein. Darüber hinaus baute die Werft auch nach Rissen damaliger Konstrukteure Wasserfahrzeuge, die bei ihm bestellt wurden.

 

Werft von O. Ernst ca 1913. Bau von Schwimmern für die Albatros Flugwerke

Die Werft vergrößerte sich zunehmend und auch der Mitarbeiterstamm wurde an den vorhandenen Aufträge sukzessive angepasst. Neben den Aufträgen für Freizeitboote hatte die Werft auch ab ca. 1913 Aufträge zur Herstellung von Schwimmern für die „Albatros Flugzeugwerke“ aus Johannisthal entgegen genommen. Über den Transportweg der  Flugzeuge zum Werftgelände ist nichts bekannt. Die einzige Schienenverbindung auf Stralau war die Straßenbahnverbindung vom Schlesischen Bahnhof her kommend, nach Treptow unter der Spree hindurch. Auf dem hier abgebildeten Originalfoto sind auf dem Werkgelände von Oswald Ernst Schienen erkennbar, die jedoch eher zum rangieren der Boote und Flugzeuge dienten. Wir können derzeit die Nutzung und mögliche Anbindung zur Bahn nicht belegen. Uns liegen derzeit auch keine Erkenntnisse über die Art der Herstellung und Material der Schwimmer vor. Sie wurden auf jeden Fall auf der Werft gebaut und unter  die bereitgestellten Flugzeuge auf dem Werkgelände montiert.

Werft Oswald Ernst - Gruppenbild der Mitarbeiter 1913
Werft Oswald Ernst – Gruppenbild der Mitarbeiter 1913 – Original Foto von Manfred Ernst

Durch den preußischen Staat wurde das Dahme-Ufer in Cöpenick um die Jahrhundertwende (1900) parzelliert. Oswald Ernst verkaufte  im Kriegsjahr 1916 seine Werft an den Unternehmer Knittel und kaufte sich noch im gleichen Jahr mehrere nebeneinander, zwischen Straße und Wasser, liegende Parzellen in der damaligen Grünauerstr. 167. Ob zu diesem Zeitpunkt die Grundstücke bebaut waren, ist nicht bekannt.

Firmenlogo Oswald Ernst - Köpenick
Firmenlogo Oswald Ernst – Köpenick

Oswald Ernst gründete auf den erworbenen Parzellen seine neue Schiffswerft und nach Kriegsende 1918 wurden wieder alte Schiffe abgewrackt und zum Teil weiter verwendet.

Zu dieser Zeit trat sein Sohn Theodor Ernst seine Lehre an. Wann Oswald Ernst den Bootsbauberuf erlernte ist uns nicht bekannt. Er war auf jeden Fall ein ausgezeichneter Handwerker. Wie an anderer Stelle bereits beschrieben, wurden früher nicht immer Konstruktionszeichnungen, wie wir sie heute kennen, erstellt. An eine Geschichte erinnert sich Manfred Ernst, der Enkel von Oswald Ernst:

Der Großvater war immer sehr traditionell gekleidet, in Blau mit Mütze und er trug einen Spazierstock. Auf einer Bootsausstellung in Berlin gefiel ihm ein Boot ausnehmend gut. Er endschied sich vor Ort, dieses Boot nachzubauen. Zeichnungen gab es aber nicht. Also ging er mit ernsten Blicken an dem Boot vorbei, zählte dabei die Schritte und hatte somit die Länge des Bootes. Mit seinem Spazierstock wurde die Höhe des Stevens ausgemessen und die Höhe des Spiegels ermittelt. Das ganze Boot wurde stehend vermessen. Zu Hause angekommen, ging er gleich in die Werkstatt und baute nach bewährter Methode ein Modell. Die Mallen wurden hergestellt und dann das Boot gebaut. Als das Boot beim Stapellauf ins Wasser kam, stellte er fest, dass das Boot absolut zu kopflastig ist. Oswald Ernst war erstaunt und sagte sich, „so kann ich mich doch nicht geirrt haben“. Er wusste noch, wer der Hersteller des Bootes war, also schaute er sich ein Original-Boot des Herstellers auf dem Wasser fahrend an. Und siehe da, das Original war genauso kopflastig.

Diese Geschichte soll verdeutlichen, dass Oswald Ernst sich etwas anschaute oder überlegte und mit dem Bauen anfing, auch ohne Pläne. Er konnte im Prinzip aus dem Kopf eine 1:1 Kopie, in diesem Fall einer Fehlkonstruktion, herstellen, ohne Digitalkamera und Pausen kopieren.

Was lehrt uns das? Man sollte nie Boote auf der Ausstellung kaufen, sondern man sollte sie im Wasser ausprobieren.

Aus Motorbootsport 1913 - Onuba erbaut bei Oswald Ernst in Stralau
Aus Motorbootsport 1913 – Onuba erbaut bei Oswald Ernst in Stralau

Nachdem das Abwracken der alten Schiffe zu Ende ging, baute Oswald Ernst mit seinem Sohn eine Vielzahl von Booten unterschiedlicher Größe. Sportboote aus Holz und Eisen, Segeljollen, Rennboote, Sportboote, Kajütboote, sowie kleinere Fahrgastschiffe. Oswald Ernst war noch immer alleiniger Besitzer der Werft, baute diese kontinuierlich aus und war dabei sehr erfolgreich. So beschäftigte er 1930 12 Arbeitskräfte mit einem Umsatz von ca. 46.000 Reichsmark, 1939 waren es 18 Beschäftige mit einem Umsatz von ca. 95.000 Reichsmark.

Werft Oswald Ernst - Bau eines Segelschiff (unbekannt) - Junge ist der Sohn Theodor Ernst
1913 Werft Oswald Ernst – Bau eines Segelschiff (unbekannt) – Junge ist der Sohn Theodor Ernst

 

Werbung von E. Ernst
Werbung von E. Ernst

Wir finden um 1920 herum eine Anzeige von der Yachtwerft E. Ernst in Berlin Stralau. Zu diesem Zeitpunkt war Oswald Ernst bereits in Berlin Köpenick. Wir konnten jedoch nicht herausfinden, in welchem familiären Zusammenhang diese beiden Werften standen. Leider konnte auch Manfred Ernst, der Enkel von Oswald Ernst, nichts hierzu beitragen.

 

1941 übergab Oswald Ernst die Werft an seinen Sohn Theodor Ernst und verstarb 1948.

Grünau im Juli 2008 – Klassik-Boote.de (dp)

Franz Pfennig

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Herbstwoche Berlin 1929 - IV-349 Das Boot Oberon
Herbstwoche Berlin 1929 – IV-349 Oberon mit Franz Pfennig

Franz Pfennig ist am 20.01.1901 in Fangschleuse geboren. Nach seiner Schulzeit lernte er bei seinem Vater das Bootsbauhandwerk und übernahm 1921 die Firma. In der Anfangsphase bauten sie noch Segeljollen. Einige von den damals berühmten „Nationalen Jollen“ stehen noch heute unter Segel. Er selbst errang mit seinem Boot „Oberon“ bei der Berliner Herbstwoche im Jahre 1929 als 28-jähriger den ersten Platz für seinen Verein W.V. Grünheide in der 10 m² Segelfläche .

Franz Pfennig interessierte sich zunehmend für den Motorbootrennsport und fing an, selbst Rennboote zu bauen. Die ersten Versuche startete er mit Effzett (FZ) und König Außenbordmotoren. Er war so begeistert von diesem Sport, dass er in seinem eigenen Boot 1934 sein erstes Rennen auf dem Templiner See in Potsdam bestritt. 1937 schaffte er eine Sensation: Er fuhr auf dem Wernsdorfer Kanal in der Juniorklasse mit einem Rennaußenborder 175 ccm seinen ersten Weltrekord mit 63,05 km/h für eine Statusmeile. Bereits ein Jahr später stellte er mit 60,33 km/h über 12 Seemeilen einen erneuten Rekord ein.

Franz Pfennig 1951 250 ccm AB
Franz Pfennig 1951 250 ccm AB

Die genaue Anzahl seiner gewonnenen und gefahrenen Rennen sind klassik-boote derzeit nicht bekannt, wir recherchieren noch, aber er war auf allen Regattaplätzen Deutschlands zu Hause und fuhr dabei viele Siege ein. 1951 errang er die DDR Meisterschaft. Pfennig-Boote sind berühmt geworden. Seine „FP-I-Serie“, der Touren-Außenborder hatte eine Vielzahl von Erfolgen aufzuweisen. Für die Volksrepublik China baute er eine ganze Anzahl von diesen Bootstypen.

Franz Pfennig baute auch viele Rennboote für seine „Mitstreiter“, so zum Beispiel fuhr Elsner Weltrekord mit einem Boot vom Typ „E1“ aus Pfennigs Werft. Aber auch Kollegen wie Artur Flemming ließen sich Boote von Franz Pfennig bauen. Flemming fuhr in der Klasse C (500 ccm).

Franz Pfennig starb mit 58 Jahren am 19.10.1959. Seine engsten Freunde wie „Putzi“ Müller und Willi Besmer nahmen Abschied an seinem Grab. Seine Ehefrau, Gertrud Pfennig, übernahm zunächst die Geschäfte, da sich deren Adoptivsohn, Freddy Pfennig noch als Bootsbau-Lehrling in der Ausbildung befand. Heute leitet Franz Pfennig (jun.) die Geschäfte.


Die Biographie wird zu einem späteren Zeitpunkt vervollständigt. 
Fangschleuse - August 2007 (dp)