Der Schärenkreuzer (Skärgårdskryssare)

0

Die schwedische nationale Klasseneinteilung ist lediglich auf der Größe der Segelfläche aufgebaut, während Form und Größe des Bootsrumpfes ursprünglich so gut wie unbeschränkt waren. Erst die letzten Jahre haben auch hier aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, Seetüchtigkeit und Sicherheit einige Einschränkungen und Bestimmungen notwendig gemacht. Als im Jahre 1907 zum ersten Male eine größere Anzahl schwedischer, nach der damals gerade geschaffenen Internationalen Messformel gebauter Yachten auf schwedischen Bahnen segelten, zeigte sich überraschenderweise, dass diese Yachten den nationalen schwedischen Typen der jeweils entsprechenden Größen selbst älteren Datums in jeder Beziehung unterlegen waren. Auf einer von Konstrukteuren und aktiven Seglern zur Behandlung der Messformelfrage einberufenen Versammlung im Jahre 1908 wurde beschlossen, einzig und allein den die Yacht vorwärtstreibenden Kraftfaktor, nämlich die Segelfläche, als „Messeinheit“ anzunehmen und im übrigen lediglich einige wenige Vorschriften für Sicherheit und Bequemlichkeit festzulegen. Die einzelnen beschlossenen Klassen waren die 30-qm 40-qm, 55-qm, 75-qm, 95-qm, 120-qmund 150-qm-Klassen, zu welchen später mit Rücksicht auf jugendliche Segler noch die 15-qm und 22-qm-Schärenboote hinzukamen.

Sphinx-am-Steuer-S.K.H.-Prinz-Heinrich-Sandham-Woche-1926
Sphinx-am-Steuer-S.K.H.-Prinz-Heinrich-Sandham-Woche-1926

Es liegt unzweifelhaft etwas Bestrickendes in der Tatsache, an Stelle umständlicher Messformeln die Größe der vorwärtstreibenden Kraft des Windes, also der Segelfläche als Klasseneinheit für den Segelwettstreit zugrunde zu legen, und die Tatsache, dass das Segel, mehr oder weniger gut geschnitten bzw. getrimmt, als wesentlichster Faktor beim Wettsegeln in Frage kommt, das heißt, dass in erster Linie einerseits die Kunst des Steuermannes, andererseits die des Segelmachers ausschlaggebend sind bzw. zu ihrem Rechte kommen, birgt ohne Zweifel etwas Ideales in sich. Da schließlich für den Bootskörper so gut wie keinerlei die Form beengenden Vorschriften bestanden, war auch dem Konstrukteur völlig freie Hand gelassen, die zur Erreichung hoher Geschwindigkeiten günstigste Bootsform zu schaffen, wodurch eine der ursprünglichen Grundlagen des Segelsportes erneut ins Leben gerufen wurde. So war es auch eine selbstverständliche, in ihrem endlichen Ausmaße allerdings nicht vorauszusehende Erscheinung, dass in jedem Jahr neue Typen ins Feld geführt wurden, die den jeweils vorjährigen Schöpfungen an Geschwindigkeit absolut überlegen waren, vor allem auf Grund des alten Lehrsatzes „Länge läuft“.

Mit der Schaffung der Schärenkreuzer hat der ohnehin bereits seit Jahrzehnten blühende schwedische Segelsport einen gewaltigen Aufschwung genommen. Der lange, im Verhältnis zur Segelfläche große Rumpf, ermöglichte die Anordnung bequemer Wohnlichkeitseinrichtungen, wodurch die Yacht mit Recht ihre Bezeichnung als „Kreuzer“ gegenüber den entsprechenden Größen der R-Yachten bzw. Yachten nach anderen Messverfahren verteidigen konnte, und gerade dieser Eigenschaft hat der Schärenkreuzer auch seine große Beliebtheit bei der Mehrzahl der schwedischen wie auch einer ganzen Reihe ausländischer Segler zu danken gehabt. Vor allem den schwedischen Seglern, und wiederum hiervon vor allem denjenigen an der schwedischen Ostküste, der eigentlichen Heimat des Schärenkreuzers, kommt es außer auf Wettsegeln hauptsächlich darauf an, teils ihre oft weit von der Stadt entfernten Sommerwohnungen in den Schären möglichst schnell und bequem erreichen, teils auch in den ausgedehnten, tidenlosen geschützten Küstengewässern mit ihrer Familie tage- oder auch wochenlange Kreuzfahrten unternehmen zu können, ohne allabendlich vom Hotel, bzw. alltäglich vom Kaufladen abhängig zu sein, denn beides ist in den Schärengewässern nur spärlich vorhanden oder nur mit grüßen Schwierigkeiten anzutreffen.

Sandhamwoche 1926 - 30-er Schärenkreuzer
Sandhamwoche 1926 – 30-er Schärenkreuzer

Eine unausbleibliche Folge der so gut wie unbeschränkten Rumpfkonstruktionen war naturgemäß, dass die Länge der Yachten von Jahr zu Jahr wuchs. Jedes Jahr glaubte man, dass hinsichtlich der Festigkeit des Bootskörpers das Höchstmaß erreicht worden sei – und doch gelang es immer wieder dem einen oder anderen Konstrukteur, eine größere Länge und somit – eine schnellere Yacht herauszubringen, und es ging soweit, dass infolge der langen Überhänge im Verein mit den verhältnismäßig geringen Breiten die normalerweise beim Schiffbau üblichen Konstruktionen, das Kiel-, Spanten-, Decksbalken-, Wrangen- usw. System, nicht mehr ausreichten, so dass man, um genügend innere Festigkeit zu erhalten, zu inneren Drahtverspannungen nach Art der Flugzeugkonstruktionen greifen musste. Nachdem im Jahre 1919 die internationale Messregel zu neuem Leben erweckt wurde, entstand dem Schärenkreuzer in der R-Yacht, besonders dem „Sechser“, ein scharfer Konkurrent, Im gleichen Jahre beschloss der Deutsche Segler- Verband die Annahme der 40-qm-Klasse, den Wünschen nach internationaler Betätigung deutscher Segler Rechnung tragend und im Jahre 1921 wurden die 30-qm und 40-qm-Schärenkreuzerklassen von der International Yacht Racing Union anerkannt.

Aus-den-Kaempfen-der-Sandham-Woche-1926
Aus-den-Kaempfen-der-Sandham-Woche-1926

Ein weiterer, nicht weniger wichtiger Umstand für die Lebensfähigkeit des Schärenkreuzers lag darin, dass es nahezu jedem Laien, dem ein Werftbau nicht erschwinglich ist, möglich ist, seine Yacht bis zu einer gewissen Klassengröße. etwa dem Dreißiger, selbst zu bauen. So entstanden im Laufe der Jahre Schärenkreuzer in großer Zahl, vornehmlich der Klassen etwa vom 55 er abwärts, doch sind auch die großen und aller größten Klassen bis zum 150 er mannigfach vertreten; im Jahre 1918 baute man sogar einen 220 er, die „Miranda“, mit einer Verdrängung von etwa 35 t. Bei der Schaffung von Neubauten trägt in nicht geringem Maße auch die Initiative der einzelnen Vereine bei, indem die Mehrzahl derselben alljährlich eine, oft auch zwei Yachten als Auslosungsboote bauen lassen.

Schaerenkreuzer-Hertha-1909
„Hertha“, L.ü.A.: 7,50m Br.: 2,00 m

Die Hoffnung, hierdurch dem Schärenkreuzer auch in anderen Ländern Eingang zu verschaffen, hat sich, (abgesehen von ganz vereinzelten Fällen) nicht erfüllt. Im Jahre 1923 hat der Deutsche Segler-Verband, hauptsächlich auf Veranlassung Hamburgischer Seglerkreise, die 30- und 40-qm-Klasse angenommen und noch im selben Jahre wurden eine Reihe Schärenkreuzer in Deutschland gebaut, die bekanntlich mit großem Erfolge an der Sandharn-Woche teilnahmen und um den von der Kgl. Schwedischen Segelgesellschaft (K. S. S. S.) aufgestellten Ostsee-Pokal segelten und somit die erste internationale Beteiligung deutscher Segler nach dem 1. Weltkrieg ermöglichten.

"Agnes", L.ü.A.: 7,85m Br.: 1,95 m
„Agnes“, L.ü.A.: 7,85m Br.: 1,95 m

Trotz gewisser Beschränkungen, die in den Jahren 1916-1920 erlassen worden waren, nahmen die Längen der Schärenkreuzer von Jahr zu Jahr zu. Hinzu kam, dass der besonders für die kleinen Klassen empfindlich ins Gewicht fallende, verhältnismäßig immer geringer werdende Freibord die Seetüchtigkeit der Yachten stark beeinträchtigte. Ein anschauliches Bild über die Entwicklung der Schärenkreuzer in den Jahren 1908 bis 1924 gibt die beistehende Tabelle mit den Skizzen 1-7, welche nachstehenden 30-qm-Yachten entsprechen:

Entwicklung der Schärenkreuzer

Nr. Name bzw. Typ Konstruktionsjahr Größe (l.ü.A x Breite x Tiefgang) Konstrukteur
1 Hertha 1909 7,50m x 2,00m x 1,15m C. Holmström
2 Agnes-Typ 1910 7,85m x 1,95m x 1,27m H. Haglind
3 S.S. Aeolus 1914 ² 1913 8,75m x 1,94m x 1,27m T. Herlin
4 G.K.S.S. 1917 ² 1916 9,32m x 1,82m x 1,30m T. Herlin
5 K.S.S.S. 1920 ² 1919 10,25m x 1,67m x 1,33m Tore Holm
6 Ãla 1920 11,20m x 1,58m x 1,32m Erik Salander
7 Haleni 1924 13,58m x 1,80m x 1,35m Yngve Holm
² = Verlosungsboote

Betreffs „Haleni“, die für deutsche Rechnung, äußerer Umstände halber allerdings in Schweden gebaut, dürften noch einige Maße interessieren. Die Länge über Alles übertraf die der Vierziger vor nur wenigen Jahren; der Bleikiel hatte ein Gewicht von 1.000 kg; die Höhe des Großsegels erstreckte sich auf 11 m, während das Baumliek desselben nur eine Länge von 4 m hatte. Im gleichen Maße mit der Länge der Yacht wuchs natürlich auch der Anschaffungspreis derselben; hinzu kam, dass ein Schärenkreuzer bereits nach einem Jahre als erfolgreicher Teilnehmer an einer Wettfahrt kaum mehr in Frage kam, so dass durch dieses schnelle „Altern“ des Schärenkreuzers auch die wirtschaftliche Seite äußerst schwer ins Gewicht fiel.

Schaerenkreuzer-S.S.-Aeolus-1913
„S.S. Aeolus“, L.ü.A.: 8,75m Br.: 1,94m

Schließlich nahm die Bautätigkeit angesichts der ständig zunehmenden Stimmen ob der oben erwähnten Übelstände, wie auch mit Rücksicht auf das nahe bevorstehende Ende der Geltungsdauer der Bauvorschriften (31. Dezember 1927) und der unsicheren Aussicht auf eine Revision derselben in bedrohlicher Weise ab. Im Laufe des Jahres 1924 kam es dann infolge der zunehmenden Rufe nach einschneidenden Änderungen der Bestimmungen zu vorbereitenden Besprechungen, zu denen die interessierten Länder eingeladen wurden, und im Jahre 1925 fanden alsdann die entscheidenden Verhandlungen statt, an denen Deutschland und Finnland beteiligt waren. Während deutscherseits tatkräftige Hilfe bei der schwierigen Aufgabe geleistet wurde, zog Finnland sich sonderbarer weise vollständig von der Schärenkreuzer-Gemeinschaft zurück, nachdem es anfänglich seine Mitarbeit zugesagt hatte und schwedischerseits bereits gewisse Zugeständnisse gegeben worden waren (so hatte man in Schweden den sogenannten „finnischen“ 22er-Schärenkreuzer, eine verkappte, verkleinerte Ausgabe des internationalen Sechsers, angenommen).

Schaerenkreuzer-G.K.S.S.-1916
„G.K.S.S.“, L.ü.A.: 9,32m Br.: 1,82m

In den Verhandlungen betreffs geeigneter Einschränkungen stand der heißeste Kampf um die Frage: „Längenbegrenzung oder nicht“ und als dann die Begrenzung der Länge grundsätzlich gutgeheißen worden war, galt es wieder vor allem der Frage: „Wie soll die Länge gemessen werden“. Der Technische Ausschuss hatte eine sogenannte „ideelle Länge“ vorgeschlagen, die für jede Klasse in Metern aus der Formel (2 √Segelfläche in Quadratmeter) zu erhalten sei. Beim Überschreiten dieser Länge, „ideellen Länge“, einer Yacht sei das sogenannte Mittelbreitenmaß sowie die Seitenhöhen nach einem bestimmten Schema zu erhöhen. Angesichts der Tatsache, dass diese Klasseneinteilung nach der Segelfläche so ziemlich einzig dastehen dürfte, wird es von gewissem Interesse sein, die Beweggründe zu hören, die zu dem Begriff der „ideellen Länge“ geführt haben und die auch in den später ausgearbeiteten Bestimmungen zugrunde gelegt worden sind.

"K.K.S.S.", L.ü.A.: 10,25m Br.: 1,67m
„K.K.S.S.“, L.ü.A.: 10,25m Br.: 1,67m

Der hervorstehendste Zug der Entwicklung der Schärenkreuzer in den Jahren 1908 bis 1924 war die Längensteigerung. So betrug die Steigerung der Länge bei „Haleni“ gegenüber .Hertha“ nicht weniger wie 81%. Im Verein mit der Längensteigerung tritt die Verringerung der Breite in Augenschein. „Hertha“ hatte eine um 27% größere Breite wie „Ãla“, die nach den Bestimmungen von 1919 gebaut worden war, somit vor Einführung der „Mittelbreite“. Nachdem diese innere Mindestbreite von 1,68 m für die Dreißiger eingeführt worden war, hielt sich deren Breite auf ungefähr 1,80 m. Der jetzige Vorschlag auf eine geringste Mittelbreite von 1,78 m dürfte bei den heutigen Yachten eine Breite von ungefähr 1,90 m veranlassen. Dank dieser Breitenbestimmung haben die Yachten eine geräumige Mittelschiffspartie erhalten, jedoch vermochte die Bestimmung von 1919 nicht, die Steigerung der Längen zu bremsen, wenngleich das Tempo wohl etwas verlangsamt wurde.

"Ãla", L.ü.A.: 11,20m Br.: 1,58m
„Ãla“, L.ü.A.: 11,20m Br.: 1,58m

Das Verhältnis der Länge zur Breite hat sich im Laufe der Zeit ganz bedeutend verändert, und zwar von 3,75 m bei „Hertha“ auf 7,09 m bei „Ãla“ bzw. 7,55 m bei „Haleni“. Gleichzeitig hiermit hatte auch die Takelung gründliche Änderungen erfahren, denn die Gaffeltakelung verschwand so gut wie vollständig und durch die Hochtakelung wurde die Besegelung kürzer und höher. Während die Basis der Besegelung bei den ersten Dreißigern etwa 8 m bei einer Höhe über Deck von 8-9 m betrug, hatten die schnellsten Yachten der letzten Jahre eine Basis von nur etwa 4-5 m bei einer Besegelungshöhe von bis zu 12 m. Die Wasserlinie hatte sich im gleichen Zeitraum von etwa 5 auf 9 m erhöht. eine Steigerung somit von 80-90% während der Tiefgang der Yachten ziemlich konstant verblieben ist. Kielgewicht und Verdrängung dagegen sind fast noch stärker gestiegen wie die Länge. Die 1908 auf 1.100 kg festgelegte Mindestverdrängung wurde 1920 auf 1.600 kg erhöht und es gab extreme Dreißiger, welche eine Verdrängung von 2.200 kg aufwiesen. Das Kielgewicht stieg von etwa 500 kg auf etwa 1.200 kg. Die Festlegung der neuen Bestimmungen wurde nun von den Hauptgesichtspunkten geleitet, dass alle Maße des Rumpfes ohne Schwierigkeiten an dem fertiggestellten Rumpf entnommen werden können, andererseits keinerlei Maße. die aus Zeichnungen, Rissen oder dergleichen zu entnehmen wären, gutzuheißen sind.

Während der Verhandlungen traten nicht wenige Stimmen auf, die eine Streichung der großen Klassen vom 55er aufwärts wünschten, um so den großen Klassen der R-Regel den Weg zu ebnen. Kurz, die Revisionsfrage bildete während der Jahre 1924-1925 in allen Vereinsversammlungen und auf den Seglertagungen das Hauptgesprächsthema. bei welchem es meistens sehr heiß zuging. Das Endergebnis war schließlich sozusagen ein Sieg der Schärenkreuzeranhänger, indem die neuen Bestimmungen noch im Jahre 1925 für alle bisher bestehenden Klassen vom Schwedischen Segler-Verband angenommen wurden.

"Haleni", L.ü.A.: 13,58m Br.: 1,80m
„Haleni“, L.ü.A.: 13,58m Br.: 1,80m

Der Deutsche Segler-Verband entschied sich als dann, wie bekannt, für Annahme der Klassen 22, 30 und 40 qm. Die festgesetzte Geltungsdauer umfasst die Zeit vom 1. Januar 1926 bis einschließlich den 31. Dezember 1932 bzw. einschließlich den 31. Dezember 1935, sofern nicht am 31. Dezember 1931 von irgendeiner Seite, d. h. Deutschland oder Schweden, Kündigung der Bestimmungen erfolgt. Finnland hat sich, wie bereits erwähnt, vollständig von den Schärenkreuzern losgesagt, um sich, wie es seinerzeit im finnischen Seglerblatt „Frisk Bris“ zum Ausdruck gebracht wurde: „… lieber mit der internationalen R-Regel zu isolieren, als sich auf eine unkluge Politik (gemeint ist die Ostseegemeinschaft. d. R.) einzulassen“. Man hatte dort inzwischen eine eigene Kleinbootklassen-Messregel ausgearbeitet, die indessen nicht den darin gesetzten Erwartungen zu entsprechen scheint.

Die neuen, 1925 angenommenen Bestimmungen unterscheiden sich recht wesentlich von den alten Bestimmungen für die Schärenkreuzer und auf Grund der bei den bisherigen Yachttypen der Regel gemachten Erfahrungen aufgebaut, während der Ausgangspunkt für die Klasseneinteilung der alte, nämlich die Segelfläche, verblieben ist. Durch Messung der Länge gesteigerte Breite und Verdrängung sowie Einführung eines Mindestfreibordmaßes hat man in den neuen Bestimmungen ein seetüchtigeres, geräumigeres und in Bezug auf Wettsegeln den bisherigen Schärenkreuzern gleichartiges Fahrzeug erstrebt, ohne die Eigenschaft der Schärenkreuzer als verhältnismäßig schnell segelnde Yachten zu beschränken. Die Messung der größten sogenannten ideellen Länge erfolgt nunmehr für normale Yachten in etwa 40% der Freibordhöhe unter Berücksichtigung gewisser Bestimmungen zur Vermeidung weniger wünschenswerten Konstruktionen des Vor- und Achterschiffes. Ferner wurde eine Mittelbreite errechnet aus drei in verschiedenen Höhen auf dem Nullspant genommenen Breiten (inwendigen) festgelegt. Gleichzeitig müssen gewisse inwendige Höhenmaße vorhanden sein, welche im Verein mit der festgesetzten Mindestverdrängung für jede Klasse einen gewissen nutzbaren Innenraum sicherstellen.

Verdrängung, ideelle Länge, Mittelbreite, Freibord usw. sind errechnet mit Hilfe der Gleichungen der Gattung Y = Kxn, wo x die Segelfläche oder Hilfszahl, mittelst welcher das Verhältnis zwischen den verschiedenen Dimensionen, wie Länge, Breite usw. untereinander bestimmt wird. Die Mindestverdrängung ist so bemessen worden, dass die Yachten der größeren Klassen etwas völliger ausfallen als die der kleineren. Auch ist das Verhältnis der Länge zur Breite am größten bei der 150-qm-Klasse, um dann allmählich nach unten abzunehmen. Das Nullspant nähert sich bei den großen Klassen mehr der V-Form als bei den kleineren. Ist die Segelfläche in qm = S, so ergeben sich folgende Werte:

Mindestverdrängung W = 0,02 S 1,34 metrische To;
Ideelle Länge (Maximum) Li = 1,78 S 0,48
Mittelbreite (Nullspant) bm = 0,564 S 0,35
Freibord (Nullspant) F = 0,087 S 0,48

 

 

 

Um eine bessere Übersicht über die normalen Abmessungsverhältnisse der Yachten zu gewähren, seien nachfolgende Werte angeführt:

Segelfläche (gemessen mit 85% des
Vorsegeldreiecks (Klassengröße in qm)
max. = 30 75 150
Ideelle Länge (L i), in Horizontalebene I max. = 9,10 14,10 19,70
Größt.Mittelbreit.[bm= 1durch6(bo+4bl+b2)] min.
Freibord (F) auf dem Nullspant von Horizontalebene
0 bis Oberkante Schandeck an der Bordseite
min. = 0,45 0,69 0,96
Höhe der Horizontalebe I(ho) über Horizontalebene 0 = 0,18 0,28 0,39
Höhe (hl) von Innenseite Planken bis
Horizontalebene I, gemessen auf dem Nullspant in der Vertikalebene I (belegen im Abstand 0,125 bm von der Mittschiffsebene)
min. = 0,55 0,86 1,20
Höhe (h2) von Innenseite Planken bis Horizontalebene I, auf dem Nullspant in der Vertikalebene 2, belegen im Abstand 0,42 bm von der Mittschiffsebene min. = 0,27 0,42 0,58
Kiellänge (K), gemessen im Abstand hl +F unter der Horizontalebene 1 min. = 2,30 3,50 4,90
Verdrängung (W) kg (siehe hierzu das Mess-Schema) 2.000 6.840 17.300

 

 

Haleni-Linien-und-Spantenriss-1924
Haleni-Linien-und-Spantenriss-1924

Um den Entwicklungsmöglichkeiten gewisse Freiheiten zu lassen, ist es ferner statthaft, die ideelle Länge über das vorgeschriebene Maß hinaus zu steigern unter gleichzeitiger Vergrößerung von Mittelbreite, Freibord, Kiellänge und Verdrängung um bestimmte, festgesetzte Werte.

Theoretisch bedingen die vergrößerte Breite im Verein mit der verringerten Länge eine Beschränkung der Geschwindigkeit der Yachten, doch wird dieses verringernde Moment den alten Schärenkreuzern gegenüber zum wesentlichsten Teile wieder ausgeglichen dadurch, dass das Vorsegeldreieck nach den neuen Bestimmungen nach internationaler Weise zu berechnen ist, d. h. nur zu 85 v. H. seiner tatsächlichen Fläche, so dass die Segelfläche eine absolute Erhöhung um etwa 10 v. H. erfährt. Die ursprünglich vorgeschlagene Vorschrift des geraden Mastes wurde angesichts der deutschen Forderung des gebogenen Mastes als natürliches Ergebnis neuerer wissenschaftlicher Forschungen aufgegeben. Ebenso ist die Höhe der Takelung für die einzelnen Klassen festgesetzt worden mit dem Ausweg, dass für jeden das Höchstmaß überschreitenden Dezimeter der Mastdurchmesser um 1 mm erhöht werden muss.

Haleni-Segelplan
Haleni-Segelplan

Nachdem diese neuen Bestimmungen amtlich in Kraft getreten sind, haben sich die Gemüter merklich beruhigt und wenn die um die Jahreswende 1925/26 einsetzende Bautätigkeit auch noch zaghaft und vorsichtig fühlend war, so brachte doch der jetzige Winter einen kräftigen Aufschwung, nachdem der vergangene Sommer (1926 d.R.) gezeigt hat, dass die Yachten nach den neuen Bestimmungen – wenn auch etwas langsamer als die alten extremen Schärenkreuzer – so doch einen bequemen, gesunden und immer noch verhältnismäßig schnellen Typ darstellen. Was die Seetüchtigkeit der Schärenkreuzer im übrigen anbelangt, so sei u.a. auf die Langfahrt des Berliner 22-ers „Füchschen“ des Herrn K. Gamradt verwiesen, der im Spätsommer (1926 d.R.) eine nahezu dreimonatige Reise um die Ostsee vollführt hat und bei verschiedenen Gelegenheiten bei schwerstem Wetter durchhielt. Ein ausführlicher Reisebericht ist seiner Zeit in der Fachpresse erschienen. Der bevorstehende Sommer wird rund fünfzig neue Schärenkreuzer deutscher und schwedischer Nationalität auf die Regattabahnen bringen.


In eigener Sache:

Einen weiteren sehr guten Beitrag über die Geschichte der Schärenkreuzer können Sie in den Klassenportraits des Yachtsportmuseums als Beitrag von Erdmann Braschos hier finden. Und dann versäumen Sie es bitte nicht, unbedingt seine eigene Internetseite mit wunderschönen Aufnahmen und Berichten zum Schärenkreuzer und Knud H. Reimers zu besuchen – es ist faszinierend, was er hier zusammengestellt hat.

Ich möchte Euch gerne auf eine wunderbare Seite aufmerksam machen, die Ihr unbedingt besuchen solltet:
classicsailboats.
ClassicSailboats.org

 

UIM – Union Internationale du Yachting Automobile

0
Union Internationale Motonautique (UIM)
Union Internationale Motonautique (UIM)

Die Aufzeichnung von Rennboot-Weltmeisterschaften durch die UIM begann in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts. Die genaue Gründung der UIM erfolgte 1922 noch unter dem Namen „Union Internationale du Yachting Automobile“ (U.I.Y.A.). 1947 erhielt der Verband, es war die zweite Sitzung nach dem 2WK, seinen heutigen Namen und seitdem hat der Verband zahlreiche internationale Motorbootrennen organisiert, darunter Weltmeisterschaften in verschiedenen Klassen. Alle Aufzeichnungen, die vor 1922 durch  den Vorgänger der UIM, der „Association Internationale du Yachting Automobile“ (AIYA), dessen  1. stellvertretender Vorsitzender Dr. Carl Georg Busley war, sind unauffindbar abhanden gekommen.

Über den Inhalt und Aufgaben der UIM müssen wir an dieser Stelle nicht eingehen, das hat bereits ausführlich das Rennboot-Archiv-Schulze ausgearbeitet. Die Platzierungen seit 1922 finden Sie auf der Homepage des UIM.

Klassik-Boote hat eine Datenbank zur schnellen Suche von Rennerfolgen für die eigenen Beiträge erfasst, die komplett auf den Originaldaten der UIM basieren. Uns war es lediglich wichtig, dass wir nach und nach ergänzende Informationen in die Tabelle einpflegen können.

Sie können in der Suchspalte zum Beispiel den Begriff „König“, „Fugmann“ oder „Pfennig“ eingeben und bekommen dann einige Zeilen in denen der Suchbegriff als Person, als Bootskörper oder als Motor vorkommt. So ist der schnelle Zugriff auf wichtige Informationen im Zusammenhang mit Weltrekorden im Bootsrennsport möglich

Wir weisen darauf hin, dass sämtliche Informationen keinen Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit haben. Wir bedienen uns lediglich der Informationen der UIM-Seite. Unsere Tabelle kann durch Übertragungsfehler und fehlende Updates unter umständen auch nicht aktuell sein.

Auf dem Handy ist die sinnvolle Darstellung der Tabelle nur im Querformat möglich.

Filter Löschen

3.835 Einträge — Seite 1 von 77

LFDNR LAND DATUM KLASSE FAHRER MOTOR STATMILE KM/H
+ 1 FRA 22.12.1923 Unlimited Aerial Propelled Canivet Hispano 350hp 74.89 120.53
Ort:Meulan, Seine, France
Typ:Speed
Bootsname:-
Bootskörper:Besson
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 2 FRA 30.04.1923 1.5 Ltr. Inboard M. Lestonnat Fiat 36.92 59.41
Ort:Monte Carlo, Monaco
Typ:Speed
Bootsname:-
Bootskörper:Baglietto
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 3 GB 24.08.1923 3 Ltr. Inboard Woolf Bagnato Sunbeam 35.95 57.87
Ort:Hythe, England
Typ:Speed
Bootsname:Ardenrun
Bootskörper:Saunders
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 4 GB 05.09.1924 1.5 Ltr. Inboard E. Johnston-Noad Aston Martin 1.5 Ltr. 36.97 59.48
Ort:Southampton, England
Typ:Speed
Bootsname:Miss Betty
Bootskörper:Camper Nicholson
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 5 FRA 09.11.1924 Unlimited Aerial Propelled Jules Fisher Lorraine 450hp 85.56 137.86
Ort:Sartrouville, Seine, France
Typ:Speed
Bootsname:Farman Hydroglider
Bootskörper:Farman
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 6 GB 09.07.1925 1.5 Ltr. Inboard Woolf Bagnato Brooke 1.5 Ltr. 43.91 70.69
Ort:River Waveney, England
Typ:Speed
Bootsname:Bulldog
Bootskörper:Brooke
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 7 GER 12.10.1926 3 Ltr. Inboard Cruiser Walther von Selve Selve 2.99 Ltr. 15.49 24.93
Ort:Potsdam, Germany
Typ:Speed
Bootsname:Selve IV
Bootskörper:Selve
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 8 ARG 22.11.1926 12 Ltr. Inboard Eugenio Etchegoin Hispano-Suiza 180hp 63.35 101.93
Ort:Sartrouville, Seine, France
Typ:Speed
Bootsname:Sadi III
Bootskörper:Picker
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 9 GB 22.11.1926 1.5 Ltr. Inboard Marion Carstairs Sunbeam 1.5 Ltr. 45.13 72.72
Ort:River Medina, I of Wight
Typ:Speed
Bootsname:Newg
Bootskörper:Saunders
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 10 ARG 24.09.1927 12 Ltr. Inboard Eugenio Etchegoin Hispano-Suiza 180hp 65.90 106.04
Ort:Sartrouville, Seine, France
Typ:Speed
Bootsname:Sadi VI
Bootskörper:Jouet/Picker
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 11 GER 08.10.1927 3 Ltr. Inboard Cruiser Walther von Selve Selve 2.89 Ltr. 17.37 28.90
Ort:Potsdam, Germany
Typ:Speed
Bootsname:Selve IV
Bootskörper:Selve
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 12 USA 06.09.1927 1242ci Inboard Horace Dodge Packard 12 cyl. 54.66 87.97
Ort:Detroit, MI, USA
Typ:Speed
Bootsname:Miss Syndicate
Bootskörper:Dodge/Crouch
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 13 USA 06.09.1927 C Racing Outboard Helen Henstchel Evinrude 498cc 30.50 49.07
Ort:Detroit, MI, USA
Typ:Speed
Bootsname:Baby Whale
Bootskörper:Kelley
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 14 USA 04.09.1928 3 Ltr. Inboard Stanley Reed Fronty Ford 141ci 48.48 77.96
Ort:Detroit, MI, USA
Typ:Speed
Bootsname:Baby Ruth
Bootskörper:Hacker Boat
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 15 USA 01.10.1928 Unlimited George Wood Packard 1000ci x 2 92.86 149.35
Ort:Detroit, MI, USA
Typ:Speed
Bootsname:Miss America VII
Bootskörper:Lisee/Wood
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 16 GB 19.11.1928 B Racing Outboard Colin Fair Watermota 397cc 25.78 41.48
Ort:Uxbridge, England
Typ:Speed
Bootsname:British Maid II
Bootskörper:British Maid
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 17 ARG 28.09.1929 12 Ltr. Inboard Eugenio Etchegoin Hispano-Suiza 180hp 67.12 108.00
Ort:Maisons Laffite, France
Typ:Speed
Bootsname:Sadi III
Bootskörper:Jouet/Picker
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 18 USA 06.10.1929 1.5 Ltr. Inboard Ralph Snoddy Miller 90.4ci 52.63 84.70
Ort:Balboa, CA, USA
Typ:Speed
Bootsname:Miss Rioco III
Bootskörper:Hacker
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 19 USA 06.10.1929 3 Ltr. Inboard Dick Loynes Miller 2458cc 51.04 83.59
Ort:Balboa, CA, USA
Typ:Speed
Bootsname:Miss California
Bootskörper:Fellows/Stewart
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 20 GER 12.10.1929 B Racing Outboard R.C. Krueger Johnson 327cc 35.10 56.50
Ort:Potsdam, Germany
Typ:Speed
Bootsname:Sigrid XI
Bootskörper:Elsinore
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 21 GER 12.10.1929 C Racing Outboard R.C. Krueger Evinrude 498cc 36.80 59.80
Ort:Potsdam, Germany
Typ:Speed
Bootsname:Sigrid XI
Bootskörper:Elsinore
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 22 USA 06.10.1929 B Racing Outboard Bill Lyon Johnson 327cc 41.60 67.04
Ort:Balboa, CA, USA
Typ:Speed
Bootsname:Baby Brontosaurus
Bootskörper:Crandall Comet
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 23 USA 06.10.1929 C Racing Outboard Al Thomson Evinrude 498cc 42.64 68.61
Ort:Balboa, CA, USA
Typ:Speed
Bootsname:Black Maria V
Bootskörper:Al Thomson
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 24 USA 06.10.1929 D Racing Outboard H.G. Ferguson Johnson 32 600cc 47.32 76.91
Ort:Balboa, CA, USA
Typ:Speed
Bootsname:Blue Streak
Bootskörper:Elsinore
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 25 GB 13.06.1930 Unlimited Sir Henry Segrave Rolls Royce 2000hp x 2 98.76 158.93
Ort:Lk. Windermere, England
Typ:Speed
Bootsname:Miss England II
Bootskörper:Saunders-Roe
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 26 USA 02.09.1930 A Inboard Runabout Frank Wrigglesworth Lycoming 40hp 30.90 49.72
Ort:Detroit, MI, USA
Typ:Speed
Bootsname:Miss Aldine
Bootskörper:Dodge
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 27 USA 02.09.1930 B Inboard Runabout H.P. Vaughan Beaver 60hp 36.64 58.95
Ort:Detroit, MI, USA
Typ:Speed
Bootsname:Beaver
Bootskörper:Beaver Boat
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 28 ITA 19.10.1930 A Racing Outboard Renzo Bagnato Laros 250cc 33.15 53.38
Ort:Lake Garda, Italy
Typ:Speed
Bootsname:Maria Teresa
Bootskörper:Baglietto
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 29 ITA 19.10.1930 C Racing Outboard Aldo Dacco Laros 494cc 48.14 77.50
Ort:Lake Garda, Italy
Typ:Speed
Bootsname:Mariella IV
Bootskörper:Passarin
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 30 ITA 19.10.1930 F Racing Outboard Aldo Dacco Laros 980cc 50.77 81.75
Ort:Lake Garda, Italy
Typ:Speed
Bootsname:Mariella IV
Bootskörper:Passarin
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 31 GB 20.12.1930 F Racing Outboard Charles Harrison Elto 60hp 51.95 83.60
Ort:River Medina, I of Wight
Typ:Speed
Bootsname:Non Sequitur III
Bootskörper:Rytecraft
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 32 GB 02.04.1931 Unlimited Kaye Don Rolls-Royce 2000hp x 2 103.48 166.51
Ort:Rio Parana, Argentina
Typ:Speed
Bootsname:Miss England II
Bootskörper:Saunders Roe
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 33 FRA 28.04.1931 D Racing Outboard Andre Bouchon Soriano 55.36 89.10
Ort:Bayonne, France
Typ:Speed
Bootsname:Soriano
Bootskörper:Soriano
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 34 ITA 02.04.1931 F Racing Outboard Aldo Dacco Laros 996cc 52.57 84.59
Ort:Lake Garda, Italy
Typ:Speed
Bootsname:Mariella VII
Bootskörper:Passarin
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 35 ITA 02.04.1931 C Racing Outboard Sandro Salvi Laros 494cc 47.45 76.35
Ort:Lake Garda, Italy
Typ:Distance
Bootsname:Mariella VI
Bootskörper:Passarin
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 36 ITA 13.04.1931 B Racing Outboard Gian Castiglioni Johnson 322cc 34.47 55.46
Ort:Lake Como, Italy
Typ:Distance
Bootsname:Nibbio
Bootskörper:Mostes
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 37 ITA 16.05.1931 F Racing Outboard Aldo Dacco Laros 980cc 54.15 87.13
Ort:Lake Garda, Italy
Typ:Speed
Bootsname:Folgore
Bootskörper:Passarin
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 38 ITA 12.11.1931 6 Ltr. Racing Inboard Carlo Ruspoli Bugatti 4.9 Ltr. 63.30 101.80
Ort:Venice, Italy
Typ:Speed
Bootsname:Niniette II
Bootskörper:Celli
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 39 GB 09.07.1931 Unlimited Kaye Don Rolls-Royce 2000hp x 2 110.24 177.38
Ort:Lake Garda, Italy
Typ:Speed
Bootsname:Miss England II
Bootskörper:Saunders Roe
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 40 ITA 15.11.1931 12 Ltr. Racing Inboard Antonio Becchi Isotta Fraschini 330hp 68.20 109.80
Ort:Lake Garda, Italy
Typ:Speed
Bootsname:Lia III
Bootskörper:Baglietto
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 41 USA 14.09.1931 A Racing Outboard Hilda Mueller Johnson 250cc 38.23 61.51
Ort:Middletown, CT, USA
Typ:Speed
Bootsname:M-290
Bootskörper:Century
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 42 USA 14.09.1931 B Racing Outboard Jack Maypole Johnson 322cc 44.35 71.36
Ort:Middletown, CT, USA
Typ:Speed
Bootsname:V-251
Bootskörper:Century
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 43 USA 14.09.1931 C Racing Outboard J. Wood Evinrude 498cc 49.82 80.16
Ort:Middletown, CT, USA
Typ:Speed
Bootsname:N-730
Bootskörper:Century
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 44 USA 14.09.1931 D Racing Outboard Richard Neal Johnson 50.92 81.93
Ort:Middletown, CT, USA
Typ:Speed
Bootsname:M-251
Bootskörper:Century
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 46 USA 17.10.1931 F Racing Outboard Hub Myers Evinrude 54.83 88.23
Ort:Salton Sea, CA, USA
Typ:Speed
Bootsname:F-13
Bootskörper:Century
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 47 USA 17.10.1931 E Racing Outboard Ted Estlick Johnson XR 56.71 91.25
Ort:Salton Sea, CA, USA
Typ:Speed
Bootsname:F-245
Bootskörper:Crandall
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 48 GB 31.12.1931 F Racing Outboard Charles Harrison Elto 60hp 56.37 90.71
Ort:River Medina, I of W
Typ:Speed
Bootsname:Non Sequitur X
Bootskörper:Rytecraft
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 49 USA 05.02.1932 Unlimited Gar Wood Packard 2540ci x 2 111.65 179.67
Ort:Indian Creek, FL, USA
Typ:Speed
Bootsname:Miss America IX
Bootskörper:Lisee/Wood
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 50 GB 18.07.1932 Unlimited Kaye Don Rolls-Royce 2200hp x 2 119.75 192.68
Ort:Loch Lomond, Scotland
Typ:Speed
Bootsname:Miss England III
Bootskörper:Thornycroft
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
+ 51 SP 16.07.1932 X Racing Outboard Ricardo Soriano Soriano 987cc 59.47 95.69
Ort:Maisons Laffitte, France
Typ:Speed
Bootsname:F-54
Bootskörper:Passarin
Zusatz:-
Bild: -
Hinweise:-
Link:-
1 2 3 76 77 » »»
×

Herzlich Willkommen!

1

Die Seele des Wassersports – Boote, Menschen, Orte, Geschichten

🧭 Unsere Mission

ist mehr als eine Plattform für klassische Motorboote. Wir erzählen die Geschichte des Wassersports in seiner ganzen Vielfalt – vom eleganten Segelschiff über traditionsreiche Ruderboote bis hin zu den ersten motorisierten Yachten. Dabei stehen nicht nur die Boote im Mittelpunkt, sondern auch die Menschen, Orte und Erlebnisse, die sie geprägt haben.

Unsere Datenbank vereint technische Fakten, biografische Details und kulturelle Hintergründe – ein lebendiges Archiv für alle, die sich für die Ursprünge und Entwicklungen des Wassersports begeistern.

⛵ Segeln, Rudern, Motoren – drei Wege, ein Element

  • Segelsport: Die Kunst, den Wind zu lesen und zu nutzen, reicht Jahrhunderte zurück. Wir dokumentieren klassische Segelboottypen, ihre Konstrukteure und die Regatten, die Geschichte geschrieben haben.

  • Rudersport: Vom Freizeitvergnügen bis zum Wettkampf – Ruderboote erzählen von Disziplin, Eleganz und Tradition. Wir beleuchten Bootshäuser, Vereine und legendäre Strecken.

  • Motorbootbau: Die technische Revolution ab 1886 veränderte den Wassersport grundlegend. Wir zeigen, wie Konstrukteure wie Daimler, Benz, Marconi, Fugmann, Pettersson und Tiller neue Maßstäbe setzten.

🏛️ Orte mit Geschichte

Wassersport wurde nicht nur auf dem Wasser gelebt – sondern auch an Land. Wir porträtieren:

  • Historische Bootshäuser und Yachtclubs
  • Legendäre Rennstrecken und Regattabahnen
  • Beliebte Restaurants und Treffpunkte der Szene
  • Orte, an denen Boote gebaut, getestet und gefeiert wurden

Diese Plätze sind Teil der maritimen Kultur – und oft selbst kleine Denkmäler.

📚 Literatur, Kuriositäten & Entdeckungen

Wir lieben die Details, die andere übersehen:

  • Seltene Bücher und Magazine über Bootsbau und Wassersport
  • Kuriose Konstruktionen, vergessene Typen und ungewöhnliche Geschichten
  • Persönliche Anekdoten, Briefe und Fundstücke aus Archiven

Jede neue Information kann eine alte Geschichte neu schreiben – und genau das ist unser Antrieb.

🤝 Mitmachen & Unterstützen

Ob Foto, Text, Erinnerung oder Fundstück – wir freuen uns über jede Einsendung. Gemeinsam können wir die Geschichte des Wassersports bewahren und erweitern.

📩 Kontaktieren Sie uns – wir sind gespannt auf Ihre Beiträge!

🙏 Danke für Ihren Besuch

Wir hoffen, Sie finden auf Inspiration, Wissen und vielleicht ein Stück Heimat. Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, empfehlen Sie uns gerne weiter – ob im Gespräch, per Link oder durch Ihre persönliche Empfehlung.

🧡 Unterstützen Sie unsere Arbeit Unsere Recherchen, Datenbankpflege und die Aufbereitung historischer Inhalte sind mit viel Zeit und Engagement verbunden. Wenn Sie unsere Arbeit wertschätzen und fördern möchten, freuen wir uns über Ihre Unterstützung – sei es in Form von Informationen, Materialien oder einer Spende.

💬 Kontaktieren Sie uns gerne für Details zur Unterstützung oder nutzen Sie die auf der Website hinterlegten Möglichkeiten zur Spende. Jeder Beitrag hilft, die Geschichte des Wassersports lebendig zu halten.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klassik-Boote-Team

Theodor Ernst

0

Theodor Ernst ist am 11.02.1903 in Berlin geboren. Er erlernte den Schiffsbau bei seinem Vater, Oswald Ernst und beendete seine Lehrzeit mit der Gesellenprüfung. Die Ausbildung komplettierte er später mit seiner Meisterprüfung, die er in der Naglo-Werft (später Lanke Werft) ablegte. Sein Prüfungsmeister war Herr Hanke, sein Meisterstück ein Bauteil aus Stahl.

Berliner Herbstwoche 1929 - 15m² Binnenfahrtklasse
Berliner Herbstwoche 1929, 15m² Binnenfahrtklasse, v.l.n.r: F62 – Ralle/Theodor Ernst-Berlin, F64 – Primavera III/Ernst Reinhard-Wannsee, F56 – Vesla VIII/Dr. W. Schlodtmann-Hamburg

Theodor Ernst konstruierte und baute in der Werft seines Vaters unzählige Boote in unterschiedlichen Größen und Typen, Segeljollen, Rennboote, Sportboote, Kajütboote, Fahrgastschiffe und vieles mehr. Im Groben kann festgehalten werden, dass Theodor Ernst in den 20-ziger Jahren Segelboote baute, hauptsächlich 15er Jollen. In den 30-er Jahren baute er überwiegend Motorrennboote. Sportlich gesehen segelte er in den 20-er Jahren, in den 30-er Jahren fuhr er Motorbootrennen. Nach dem Krieg segelte er wieder und fuhr Motorbootrennen. Im Segeln war er DDR-Meister und fuhr unzählige Siege ein. Auch im Motorbootrennsport war er ein erfolgreich. Seine erfolgreichste Zeit waren die Jahre 1927 bis 1952. In dieser Zeit gewann er international sehr viele Rennen, meist gegen weit aus besser motorisierte Boote. Über die sportlichen Höhepunkte berichten wir in einem separaten Artikel.

G96 Ralle - Theodor Ernst - König Außenborder
G96 Ralle – Theodor Ernst – König 3-Zyl. Sternmotor

Auf diesem Bild ist Theodor Ernst 1939 vor einem Rennen zu sehen. Ein absolutes Politikum gibt es zu erkennen und wird weit reichende Folgen für ihn haben. Er hatte einen weißen Overall an, die Farbe der deutschen Motorsportler bei Auto und Boot. Normalerweise war auf den Overalls das Zeichen des NSKK angebracht. Hierzu muss man wissen, dass im Dritten Reich alle Motorboot-Vereine dem NSKK zwangsuntergeordnet wurden. Es war nur Mitgliedern dieser Vereine erlaubt, sich an Motorbootrennen zu beteiligen. Bei einer Rennbootveranstaltung in Dresden kam Theodor Ernst mit seinem PKW und einen Trailer angefahren, auf dem er das abgebildete Boot drauf hatte. Zur Einfahrt auf das Gelände verwehrte ihm ein SS-Mann den Weg mit dem Spruch „Hier dürfen Sie nicht parken“ und wollte wissen wer er ist. Theodor Ernst nannte dem Posten seinen Namen und erklärte ihm, dass er mit seinem Boot am Rennen teilnehmen wolle. Daraufhin sagte der Posten zu Theodor Ernst: „Sie sind also der NSKK-Mann Ernst“. Dies verneinte Theodor Ernst mit dem Satz „Nein, ich bin kein NSKK-Mann“. „Wo haben Sie Ihren Spiegel“ antwortete der Posten und Theodor Ernst beantworte die Frage mit „na zu Hause an der Wand“. Das war Zuviel. Es gab eine riesige Auseinandersetzung und im Verlauf riss sich Theodor Ernst vor lauter Wut das NSKK-Abzeichen vom Overall. Letztendlich durfte er aber am Rennen teilnehmen. Schon vor dem Rennen wurde aber eine Werbung der Werft von Theodor Ernst in Zeitungen mit dem Slogan „selbst gefahren, selbst erfahren“ veröffentlicht. Theodor Ernst war mit seinem Boot kniend hinter dem Steuer und dem NSKK-Abzeichen auf dem Revers abgelichtet worden.

Im Segeln gewann er 1922/23 in Hamburg zwei von drei Konstrukteurs-Pokale. Je erfolgreicher er als Sportler im Segel- und Motorbootrennen war, umso weniger Zeit hatte er als Baumeister und Konstrukteur. Daher arbeitete er zu dieser Zeit sehr viel mit anderen Konstrukteuren zusammen. Auszugsweise sei hier nur Karl Marconi und die Engelbrechts genannt. Es war für ihn leichter, zu einem Konstrukteur zu gehen und zu sagen „Mach mir mal die Zeichnung und wir bauen das Boot“. Trotzdem hatte Theodor Ernst eine Vielzahl Boote in allen Größen selbst konstruiert und gebaut. Sein Sohn Manfred Ernst erinnert sich an folgende Situation: Karl Marconi lebte in Italien und nach dem Krieg wollte ein schlauer Sachse ein Boot bauen und hat an Herrn Marconi einen Brief geschrieben mit der Bitte, er wolle gerne eine Zeichnung für ein Boot haben. Marconi beantwortete den Brief mit den Worten, warum wollen sie von mir eine Zeichnung kaufen, wenn sie doch im eigenen Land so einen Konstrukteur wie Ernst haben?

Visitenkarte Theodor Ernst
Visitenkarte Theodor Ernst

1941 übernahm Theodor Ernst die Werft seines Vaters Oswald Ernst. Theodor Ernst wurde vom Heeresdienst reklamiert. 1943 wurde die Werft durch einen Luftangriff zu 2/3 zerstört. Er baute die Werft innerhalb eines Jahres wieder neu auf. So wurde eine neue 1.000 m² große Halle aufgebaut in der er Holz- und Stahlschiffe bis zu 25 m Länge baute. Nach Kriegsende wurde die „Ernst-Werft“ nicht demontiert und er begann mit einer doppelt so großen Belegschaft, wie vor dem 2. Weltkrieg. Anfangs mussten, wie bei allen Bootsbaubetrieben, für die russische Besatzmacht Reparationsaufträge erledigt werden. Es wurden Schlepper und jede Menge Rettungsboote aus Holz und Stahl repariert und neu aufgearbeitet. Theodor Ernst konnte, mit Unterstützung der russischen Kommandantur, die ihm die Bezugsscheine für die Baumaterialien genehmigten, ein neues Wohnhaus errichten, das von der Familie Anfang 1948 bezogen werden konnte. Die Freude darüber dauerte allerdings nur einige Wochen. Erinnert sich der Leser an die Geschichte mit der Rennsportveranstaltung in Dresden? Genau diese Werbung war nämlich das Verhängnis für Theodor Ernst. Neider, die der Gewerkschaft und den Kommunisten zugerechnet wurden, sammelten Beweise und eidesstattliche Erklärungen, die Theodor Ernst bei der russischen Besatzungsmacht als Kriegsverbrecher denunzierten. Er musste sich mächtig dagegen wehren, nicht in der NSKK gewesen zu sein, hatte es auch schriftlich, aber der „NSKK-Mann“ wurde als Aufhänger für die Enteignung genommen. Die Enteignung war schon lange festgelegt, es wurden später noch Unterlagen gefunden, in denen wörtlich drin stand „findet Gründe“. Die DDR konnte Theodor Ernst nichts nachweisen, alles war an den Haaren herbeigezogen. Die Beschuldigungen konnte die russische Besatzungsmacht nicht überprüfen und stimmten einer Enteignung zu. Güter und Eigentum, die nicht im „demokratischen Sektor Berlins“ waren, sind davon nicht betroffen gewesen. Theodor Ernst war also nur in Berlin ein „Kriegsverbrecher“, in Potsdam zum Bespiel nicht, was für eine verkehrte Welt. Theodor Ernst wurde nie der Prozess gemacht oder irgendeine Anklage erhoben, mit der Wegnahme seines gesamten Eigentums bis auf einen Schrank, einen Stuhl, einen Tisch, ein Bett, 50,- Mark in bar sowie die 1 ½ Zimmerwohnung des Nachtwächters wurde der Vorgang abgeschlossen. Die Geschichte des Grundstücks nahm dann seinen Lauf: Erst wurde es die „Jugendwerft“, danach wurde es „Rennboot-Kollektiv“ unter Leitung von Hellmuth Fugmann, dann wurde es ein Teil der Yachtwerft und zum Schluss war es die „Forschungsstelle für Sportgeräte“. Theodor Ernst, von seiner Unschuld überzeugt, wollte sich nicht durch die Flucht nach dem Westen schuldig bekennen. „Ich kann mich allein ernähren, ohne jemanden auszubeuten!“ sagte er damals zu seinem Sohn. Als Maurer, was man ihm angeboten hatte, wollte er nicht arbeiten. Als er dann gefragt wurde, als was er denn sonst arbeiten könne, sagte er, er sei Bootsbauer und er könne Boote zeichnen. Somit wurde ihm nahe gelegt, sich selbständig zu machen. Er gründete das „Konstruktionsbüro Ernst“, welches die Grundlage für die heutige Existent der Familie Ernst darstellt.

Igelit Ruderboot
Igelit Ruderboot – Konstrukteur und Gebaut: Theodor Ernst

Theodor Ernst entwickelte Boote in Holz, Stahl und Kunststoff. Zum Beispiel konstruierte er das erste Kunststoffboot der DDR im Jahre 1949. Es handelte sich um ein Paddelboot vom Typ „Juwel“. Der Trick war der, dass ein normales Holzboot herangezogen wurde, und zwar nur die Spanten. Über diese wurden dann Leisten befestigt und das ganze wurde mit einer Haut aus Degelit überzogen. Degelit, früher hieß es Igelit und durfte aus Namenrechten nicht mehr so genannt werden, wurde bereits 1938 in Bitterfeld produziert. Es handelte sich um ein weiches PVC. Die Haut wurde am Kiel und an der Scheuerleiste zusammengeklebt und mit einer Leiste geschützt. Dieses Boot wurde dann für ca. 300,- Mark zu tausenden gebaut und verkauft. Dieses Boot war die Basis für die später von Bergemann weiter entwickelten Rennruderboote, die dann zig Medaillen für die DDR eingefahren haben.

G9 Dreipunktboot mit König-Motor - 1951 AWA Berlin
G9 Dreipunktboot mit König-Motor – 1951 AWA Berlin

1951 stellte er dem Publikum auf der Berliner Wassersport-Ausstellung unter dem Funkturm sein Stufen-Autbordboot der Klasse C mit einem 500 ccm König-Heckmotor vor. Das Boot erreichte eine Geschwindigkeit von rund 90 km/h. Auf dem Bild ist außerdem das ca. 9 Meter lange Vorderkajütboot vom Konstrukteur Hellmuth Fugmann zu sehen.      

An seinem letzten Urlaubstag, am 05.07.1961 verstarb Theodor Ernst im Alter von 58 Jahren. Er starb auf dem Wasser, in einem Boot, welches er nach einem Riss seines Sohnes gebaut hatte.


Berlin im März 2011 (dp) Klassik-Boote dankt Manfred Ernst für die Unterstützung der Recherche und die Überlassung von Bildmaterial. Herrn Philipp vom Wassersportmuseum Grünau ist es zu verdanken, dass er eines der Igelit-Boote vor dem „Verschrotten“ gerettet hat. Die Geschichte hört hier noch lange nicht auf. Es gibt noch eine ganze Menge zu berichten, seid gespannt. Berlin-Grünau im Juli 2008 (dp)

Adolf Burmester

0

Für jeden, der jemals im 19. Jahrhundert mit Ruder oder Pinne hantierte, war der Name Adolf Burmester ein Begriff. Ein populärer und beliebter Förderer war „Onkel Adolf“, wie er in Wassersportkreisen genannt wurde. Ein Wegbereiter mit Sachverstand und Führungsgeschick für den Ruder- und Segelsport.

Schon in jungen Jahren, er war am 11. Oktober 1838 geboren, lenkte sich die Aufmerksamkeit der leitenden Sportkreise auf ihn und es war etwa in der Mitte der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts, als er in den Vorstand und in das Schiedsgericht des Hamburger Renn-Clubs berufen wurde. Er war in Gemeinschaft mit mehreren Herren Rennstallbesitzer und ein exzellenter Rennreiter, der an vielen Herrenreiten sich erfolgreich beteiligte. Jahrelang amtierte er als geschätzter Handicapper. Seine Hauptliebe aber widmete er dem Wasser. Er gehörte dem Germania-Ruder-Club an, dessen Vorsitzender er etwa 20 Jahre lang war – und der ihm in allererster Linie sein Aufblühen und seine hochgeachtete Stellung im Hamburger Sportleben verdankte.

Im Jahre 1877 wurde er Mitglied des Norddeutschen Regatta-Vereins, wenige Jahre später nahm er die Stellung als dessen Schriftführer ein, bis er im Jahre 1886 nach dem Ableben von Herrmann Wentzel, des Gründers der Kieler Segelregatten, an dessen Stelle zum Vorsitzenden gewählt wurde. Ein Amt, das er erst kurz vor seinem Tode wegen zunehmender Krankheit niederlegte. In jungen Jahren Ruderer, widmete er sich später ganz dem Segelsport und betätigte sich als Mitbesitzer vieler größerer Yachten – hier seien nur Quickstep und Atalanta genannt – auf das lebhafteste am Regatta- und Tourensegeln auf Elbe und Ostsee. In den letzten Lebensjahren befand er sich meist mit seinem gleichaltrigen Freund Adolph Tietgens an Bord der Schoneryacht Hamburg und nie sah man ihn besser gelaunt und in froher Stimmung, als auf dem Deck einer Yacht.

Seine Persönlichkeit als Sportsachverständiger war schon weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannt geworden, als er im Verein mit süddeutschen Sportsleuten daran ging, im Jahre 1882 die deutsche Ruderschaft, die bis dahin noch ohne engeren Zusammenhang war, zu einem Bund, dem Deutschen Ruder-Verband zusammen zu schließen. Seine überragende Geschäftskundigkeit, seine Gewandtheit in der Leitung von Versammlungen und der strenge Gerechtigkeitssinn machten ihn zum geborenen Vorsitzenden und so war es kein Wunder, dass die Gründungsversammlung des Deutschen Ruder-Verbandes im März 1883 ihn zum Vorsitzenden des Verbandes wählte, ein verantwortungsreiches Amt, das er bis zum Jahre 1891 trotz immer größer werdenden Arbeitslast mit großem Eifer, Zuverlässigkeit und Umsicht versah. Es gehörte mit zu seinen hervorstechendsten Charakterzügen, dass [nbsp]ihm bei Wahrnehmung seiner Amtstätigkeit keine Arbeit zu viel war, dass ihm auch das geringste nicht zu gering erschien, um es nicht mit stets gleichbleibender Sorgfalt und Liebe selbst zu behandeln. Seiner gründlichen Kenntnis des Sportlebens und seiner scharfsinnigen Durchdringung der schwierigsten Fragen gelang es stets, den Kern der Sache mit Leichtigkeit zu erfassen und in der Leitung aufgebrachter Versammlungen verstand er es, die Massen doch stets so zu beherrschen, dass die Verhandlungen doch meist schnell zu einem einvernehmlichen und praktikablen Ende geführt wurden. Seinem persönlichen Einfluss ist es wohl in erster Linie zu verdanken, dass bei Aufstellung der Gesetze des Ruder-Verbandes der Grundstein zum damaligen idealen Stand der deutschen Ruderei gelegt wurde. Ein Herrensport vornehmster Art, dem selbst die heftigsten Neider nicht nachsagen können, dass er jemals ein der vielen Versuchungen materieller Art erlegen wäre, denen manche anderen Sportbetriebe zum Opfer gefallen sind.

Noch weit bedeutsamer als die Tätigkeit Adolf Burmesters im Rudersport ist aber sein Wirken als erster Vorsitzender des Deutschen Segler-Verbandes. Als im März 1888 die bedeutenderen Segel-Vereine Deutschlands in Hamburg zusammentraten, um den Deutschen Segler-Verband zu gründen – ein Unternehmen, die dem „Onkel Adolf“ einer der stärksten Helfer und Förderer gewesen war – da wählte die Deutsche Seglerschaft mit einer ausschließlichen Selbstverständlichkeit ihn zum Vorsitzenden. Bei den großen Umwälzungen, die im deutschen Segelsportleben vor sich gegangen sind, und natürlich nicht immer ohne Opfer irgend einer Partei sich vollziehen konnte, blieb oft der einzig ruhende Punkt in der Entscheidungsfindung der greise Vorsitzende, um dessen Person sich immer wieder alles scharte und dem in den kritischsten Augenblicken das Vertrauen der Allgemeinheit niemals versagt wurde. Seiner oft unbeugsamen Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass damals der deutsche Segelsport in straffer Organisation seinesgleichen in Europa nicht wiederfindet und dass er innerhalb des großen internationalen Verbandes eine Vertrauensstellung und ein Ansehen genoss, auf das viele Nationen mit Neid blickten.

Nachruf Adolf Burmester 07.06.1912
Nachruf Adolf Burmester 07.06.1912 – veröffentlich im Wassersport N0 24 1912

Adolf Burmester verstarb am 7. Juni 1912 und wurde auf dem Kirchhof zu Ohlsdorf zur letzten Ruhe beigesetzt. Eine große Trauerversammlung war gekommen, der erste Bürgermeister Hamburgs, Herr Dr. Burchard, Herr von Bülow legte im Auftrag seiner Majestät des Kaisers einen Kranz nieder, der Schriftführer des Segler-Verbandes Herr Dr. Jansen, für den Deutschen Ruderverband Herr Geheimrat Büxenstein, Dr. Ruppert, Dr. Strack sowie Pietzcker, für den Norddeutschen Regatta-Verein Herr Alfred O’swald, für den Kaiserlichen Yacht-Club dessen Vorsitzender Exzellenz Admiral von Arnim, Kammerherr Graf Hahn, Admiral Köllner und Kapitänleutnant von Jastrczembski. In der zahlreichen Trauerversammlung fehlte fast keiner der bekannteren Vertreter der Hamburger Wassersportkreise.

Carl Gustaf Pettersson (CGP)

0

Carl Gustaf Pettersson (CGP), Sohn einer Bauernfamilie, wurde am 06.08.1876 im schwedischen Ostarchipel Tenögård geboren. Als zweitältester Sohn der sechs Geschwister hätte er den Hof seiner Eltern Carl-Wilhelm und Emma Pettersson auf Ramsøyna übernehmen sollen, den Sie 1885 erwarben. Aber CGP, wie er später nur noch auf Grund seiner Bekanntheit genannt wurde, hatte andere Pläne. Sein Interesse galt den Booten und der Technik. Bereits in frühen Jahren schnitzte er sehr gerne und durch diese Fingerfertigkeiten erwarb er das Gefühl und das Aussehen von Linien und Formen. Hinzu kam, dass er regelmäßig die auf dem eigenen Bauernhof anfallende Milch mit dem Ruderboot an Bewohner oder Sommergäste der naheliegenden Inseln Tynningö, Rindö und Skogsö verkaufte. CGP besuchte die technische Gesamtschule in Stockholm. Nach seiner regulären Schulzeit begann er 1891 eine Lehre bei dem bekannten Pionier und Erfinder im Motoren- und Schiffbau, Julius Frodé. Während der Lehre festigte er seine Fähigkeiten im Zeichnen und Designen von Booten. Die ersten Boote, die er selbst entwarf, waren Segel-Kanus und Eisyachten. Im Anschluss seiner Lehre zog er zunächst wieder auf den elterlichen Hof und heiratete im September 1900 Maria Christina Bergqvist, mit der er die Kinder Oscar und Esther bekam. Mit seinen älteren Bruder Robert und seinem jüngeren Bruder John gründete er 1902 eine kleine Bootswerft auf Ramsøyna, die 1905 von Motor AB Reversator übernommen wurde..

Carl Gustaf Pettersson wollte sich weiter entwickeln und so trat er eine Anstellung als Bootskonstrukteur in der Firma AB Reversator, Hersteller von Verbrennungsmotore für Wasserfahrzeuge, an. Man kannte sich, denn die Petterssons arbeiteten schon einige Jahre in gemeinsamen Projekten zusammen. AB Reservator, die 1905 gegründet wurde, beschäftigte sich mit der Problematik des umsteuerbaren Bootsmotor. Der Zweck war der, dass sich, ähnlich wie bei der Dampfmaschine, ein Explosionsmotor von Vorwärts auf Rückwärts umsteuern lässt. CGP war mit der Konstruktion geeigneter Boote für den Motor beauftragt.

 

Erste Wikingen von CGP - 1904
Erste Viking von CGP – 1904

Weitere Erfolge konnte er mit Konstruktionen von Booten nachweisen, die mit wenig Motorenleistung eine optimale Geschwindigkeit erreichten. So entstand im Jahre 1904 sein erstes Motorboot, die „Viking“. Es handelte sich um ein 24ft offenes Boot aus Kiefer mit einem 2,5 PS Einzylinder-Motor, der von AB Reversator hergestellt wurde. Das Boot erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 7,4 Knoten. Genug, um bereits 1904 bei einem Motorbootrennen, CGP saß selbst hinter dem Steuer, in Kiel gleich als Sieger gekürt zu werden und auch gleich noch den Ehrenpreis mit nach Hause nahm. In den nächsten zwei Jahren folgten noch fünf weitere Siege. 1905 gewann das Boot Tirfing den ersten Preis bei einer Automobil-Club Regatta in Stockholm. Das mit 5mm Kieferbeplankung und Mahagoni beschichtete Boot war knapp 6 Meter lang, wog mit dem 5 PS Zweizylinder Reversatormotor 680 KG und erreichte eine Geschwindigkeit von fast 10 Knoten.

Gustaf Ericsson wollte seine Motorenfabrik GEA, bisher wurden nur Automotoren hergestellt, um das Portfolio Bootsmotoren erweitern. Er bemühte sich um CG Pettersson und stellte ihn als Werftleiter ein. Pettersson entwarf einige Bootstypen, die auf die Motoren zugeschnitten waren. Die Liaison hielt aber nicht lange, denn 1907 verließ CGP GEA und machte sich nun endgültig selbständig unter der Firmenbezeichnung ‚Konstruktion und Beratung für Schnellboote‘.

Lilice C.G.Pettersson 1909. Foto: Jorma Rautapää
Lilice C.G.Pettersson 1909. Foto: Jorma Rautapää

CGP konstruierte fortan Auftragsbezogen für andere Firmen, so zum Beispiel 1909 den Motorsegler Lilice. Der Platz in Ramsø wurde zu eng und für Kundenbesuche war der Ort viel zu abgelegen und nur beschwerlich zu erreichen. Dies war der Grund, warum Pettersson 1910 nach Liljeholmen umzog und dort sein Büro neu eröffnete. Nun kam die wohl arbeitsintensivste Zeit, denn er entwarf zwischen 1910 und 1920 im Durchschnitt 40 neue Boote. Hinter C.G. Pettersson stehen mehr als Tausend Bootskonstruktionen, die er jeweils nach Kundenwunsch entwickelte, unabhängig der Größe, mit oder ohne Motor, Segelboote, Motorboote, Eissegler, Spitzgattboote, Salonboote und einige wirklich beeindruckende Motoryachten bis 30m Länge. Er entwarf Arbeitsboote wie Frachtschiffe, Schlepper, Lotsenboote und Kreuzer. Viele Typen ähnelten sich, dies lag daran, dass er eine Vielzahl von Varianten eines Typs zeichnete. Seine Spezialität war das langgezogene und schmale Boot mit der Begründung, dass dieser Bootstyp den geringsten Widerstand im Wasser aufweist und sehr gute Fahreigenschaften bei geringer Motorisierung erzielt. Seine eigenen Projekte hießen Viking, die er einfach durchnummerierte (Viking I, Viking II, etc.).

AB Motorbåtsbyrån
AB Motorbåtsbyrån

Mit 39 Jahren, im Jahr 1915, entschloss sich CGP für ein Studium an der Technischen Hochschule in Stockholm, um seine Kenntnisse im Bootsbau zu vertiefen. Dort lernte er den 24-jährigen Ruben Östland kennen, den er von nun an fünf Jahre lang als Mentor begleitet und sein Wissen an ihn weitergibt. Danach gingen sie wieder eigene Wege und blieben gute Freunde. Nach dem Studium gründete Pettersson gemeinsam mit Einar Runius 1922 die AB Motorbåtsbyrån und bauten unzählige Rennboote und klassische Kajütboote. Die beiden ergänzten sich hervorragend und es wurden etliche Rennerfolge erzielt.

WIKING X i Halmstad under sin rundresa 1925 - Fotograf Okänd - Sjöhistoriska museet
WIKING X in Halmstad während seiner Tournee 1925 – Fotograf Okänd – (c) Sjöhistoriska museet

CGP war nicht nur reiner Theoretiker, sondern ein begnadeter Langstreckenfahrer. Auf solchen Fahrten sammelte er stets Erfahrungen, die er in seine Konstruktionen einfließen ließ. Die berühmteste dieser langen Reisen war seine Skandinavien-Rundreise. Für diese Reise zeichnete er am 22.02.1925 speziell für diese Bedingungen das bis heute bekannteste Pettersson-Boot, die Wiking X. Das Ziel der geplanten Reise war der Langstreckenversuch mit dem neuen A2-Motor von Penta, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Marktakzeptanz erreichte. Am 20.07.1925 trat er die Reise an, begleitet hat ihn u.a. der Regisseur Carl Barck Lind, der Kameramann Carl Halling, der Autor Ragnar Holmstrom und sein tierischer Begleiter, der Affe Jocke. Die Reise war außerordentlich beschwerlich. Das Logbuch von seiner Reise um Skandinavien erzählt eine spannende Geschichte über gefährliche Gewässer – nichts für schwache Nerven! Aber, nach 3 1/2 Monaten, am 03.11.1925 liefen sie, wie geplant, jedoch völlig erschöpft und einer hinterlegten Strecke von 3.350 naut. Meilen, in Stockholm ein. Zur besseren Einordnung, das ist etwa die Strecke von Kopenhagen nach New York. Die Mannschaft war komplett, das Boot hatte keine nennenswerten Beschädigungen erhalten, der Motor lief immer ohne Ausfälle, was will man mehr.

1929 umgebaute Stella Marina
1929 umgebaute Stella Marina

Nach dieser langen Reise entwickelte Pettersson unvermindert und mit neuen Erfahrungen im Hinterkopf viele neue Boote und Motoryachten. Wasserfahrzeuge für den Otto-Normalbürger wie auch für Großindustrielle und Banker. Ein größerer Auftrag im Jahr 1927 war der Umbaus der „Stella Marina“ durch den nunmehr alleinigen Besitzer, den Verleger und Autor Erik Åkerlund. . Die Yacht wurde von den bisherigen Maßen von 22m x 4m auf 27,45m x 4,20m vergrößert. Es wurden zwei neue Motoren vom Typ Sterling Petrel 6 Zyl. verbaut. Die Einzelheiten sind in der Zeichnung Nr. 761 festgehalten. Die Konstruktion gemäß Zeichnung Nr. 964 im Jahr 1937 galt einer geklinkerten Yacht mit dem Namen „Juppe“. Sie wurde 1938 für den Gründer der Pentawerke Fritz Egnell fertiggestellt und hatte die Maße 10m x 3,20m. Für die Stockholm-Brauerei konstruierte er unter der Zeichnungsnummer 1072 im Jahr 1947 und 1948 die beiden Transportschiffe „Läskaren “ und „Svalkaren“. Jedes Schiff wog vollbeladen 53 Tonnen. Die Schiffe waren 20m lang und 18,6m (17,9m) breit und wurden jeweils mit einem 90 PS Dieselmotor angetrieben, der den Schiffen eine Geschwindigkeit von 9 Knoten ermöglichte.

CGP war bis an sein Lebensende äußerst aktiv. Jedoch konnte er auf Grund seiner zunehmenden Sehschwäche nicht mehr die Details auf seiner Zeichnung erkennen und daher entstanden zu dieser Zeit auch keine Neuentwicklungen mehr. Am 27.03.1953 verstarb Carl Gustaf Pettersson. Er hinterließ eine beeindruckende Epoche des motorisierten Bootsbau mit mehr als 1.150 Entwürfen. Dank der massiven Bauweise seiner Konstruktionen erfreuen sich heute unzählige Besitzer dieser einzigartigen Boote und er bleibt vielen Interessierten stets in guter Erinnerung.

Konstruktionsverzeichnis C.G. Pettersson - Das Verzeichnis wird sukzessive überarbeitet

wdt_ID wdt_created_by wdt_created_at wdt_last_edited_by wdt_last_edited_at Reg. Ind. Maße Jahr Typ Beschreibung Bild Bemerkung
1 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 81 9,50m x 2,20m x m 1907 Motorboot Motorboot für den Ingenieur Erik Magnus, 1907
2 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 82 8,00m x m x m 1907 Motorboot Motorboot. (Siehe auch Dokumenation der Werft Bröderna Larssons 1985:16:1) 1907
3 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 102 1908 Motorölwanne Motorölwanne für Herrn Helmer Langborg, 1908
4 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 104 c 10,00m x m x m 1908 Hochsee-Motorboot Hochsee-Motorboot, 1908
5 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 106 9,00m x 2,00m x m 1908 Kajütboot Kajütboot für Örebro Bootsbau och mek.verkstad (Carl Engelbrektson), 1908
6 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 107 4,50m x 0,50m x m 1908 Paddelboot, Kanu Paddelboot Kanu (Siehe auch Thorells Dokumentation, 1979:1:36). 1908
7 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 114 10,75m x 1,95m x m 1908 Motorboot Motorboot für disponenten P. Bayard 1908
8 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 116 8,00m x m x m 1908 Motorboot Motorboot 1908
9 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 120 10,00m x 3,00m x m 1909 Hochsee-Motorboot Hochsee-Motorboot für agronom G. Berg, Dalarö 1909
10 webmaster 29 May 2024 02:14 webmaster 29 May 2024 02:14 123 9,00m x 1,80m x m 1909 Motorboot Motorboot (Siehe KSSS Dokumentation 1979:23.144)
Reg. Jahr

Berlin im März 2011 (dp)



Petterssonbåten - Stefan Iwanowski und Anders Værnéus
Petterssonbåten – Stefan Iwanowski und Anders Værnéus

Vielen Dank an Stefan Iwanowski und Anders Værnéus für das tolle Buch Pettersonbåten. Stort tack till Påke. Durch intensive Recherchen ist es Klassik-Boote gelungen, etliche Aussagen, die sich teilweise erheblich widersprochen haben, richtig zu stellen. Somit ist auch der Werdegang der Stella Marina hoffentlich jetzt vollständig aufgeklärt. Ohne die uns zur Verfügung stehende Typenliste von CGP wäre dies nicht möglich gewesen.

 

 

 


Einen schönen Artikel zu C.G. Pettersson und dem Schiff „EOL“ findet Ihr im Boote Magazin hier..


Die Zeichnungen von CG Pettersson befanden sich viele Jahre lang in einem Bootsschuppen, bevor sie nach sorgfältiger Suche von dem Bootsliebhaber Gunnar Fritz-Crone gefunden wurden, der auch Bücher über CGP schrieb. Aufgrund der nicht fachgerechten  Lagerung sind viele Zeichnungen in schlechtem Zustand.

Die Sammlung, die heute im Archiv des Sjöhistoriska-Museums aufbewahrt wird, umfasst über 1.500 Zeichnungen. Dieses Museum müssen Sie unbedingt besuchen, es beinhaltet eine der größten Sammlungen von Fotos, Literatur und Ausstellungs-Exponate von Wasserfahrzeugen. 

Gunnar Fritz-Crone veröffentlichte zwei Bücher, wobei das Buch „C G Pettersson – båtkonstruktör och äventyrare“ welches 1981 veröffentlicht wurde, nur in Schwedisch erhältlich ist. Das andere Buch, welches ebenfalls 1981 veröffentlicht wurde, trägt den Titel „CG Pettersson – legendarisk båtkonstruktör“ und erschien auch in englisch.

Sei noch ergänzt, dass Herr Gunnar Fritz-Crone, das Boot Wiking X viele Jahre nach seinem Fund der Pläne kaufte und unternahm 55 Jahre nach der ursprünglichen Reise dieselbe Reise durch Skandinavien wie CGP.


 


Hier verbinden wir Sie zu einem interessanten Film-Beitrag über die Wiking X – in schwedisch

Bootswerft Faul AG in Horgen (CH)

0

John Faul, der Gründer unseres Betriebes, wurde als Sohn eines einfachen Schuhmachers 1870 in Fluntern geboren und bereits mit 26 Jahren richtete er seine erste Werft in Wollishofen, dem heutigen Standort der Zürcher Schifffahrsgesellschaft (ZSG) ein. Bald wurde es ihm hier zu eng und es gelang ihm, in Horgen im Jahre 1914 ein Grundstück am See zu erwerben, welches das Fünffache der alten Werftanlage ausmachte. Er richtete sich mit 3 Mann in der Bootbauwerkstatt ein und dazu, als Novum der damaligen Zeit, gliederte er die erste Automobilreparatur-Werkstätte mit Tankstelle auf der linken Zürichsee-Seite an. Nebenbei zählte der initiative John Faul noch der Autofahrlehrerberuf zu seinem Arbeitskreis. Die Kriegsjahre 1914-1918 brachten der Motorisierung einen abrupten Stillstand; aber nicht verlegen um Arbeit, wurde sofort der Bau von Segelbooten vorangetrieben. Anklang fanden dazumal die 30 m2 National-Kreuzyachten in Mahagoni mit Bleikiel, das Cat.-Boot mit 21 m2 Segelfläche sowie mit Schlafraum und Kochraum als Hausboot gedacht; ferner war da noch die 20 m2 Binnenjolle mit Schwert, und für Exklusivität sorgend eine Eisyacht mit 21 m2 Segelfläche und einem gerundeten Cockpit.

Swiss-Craft Modell - 1936 - Faul - Bootswerft Faul AG (CH)
Swiss-Craft Modell – 1936 – Bootswerft Faul AG (CH)

John Faul, Automobile und Wasserfahrzeuge Horgen, gab im Dezember 1929 eine Referenzliste heraus, die über das Verkaufsprogramm der Auto- und Bootsmotoren Aufschluss gab. Elf Autovertretungen führte er. Nebst bekannten, heute noch existierenden Marken finden wir solche, die längst in Vergessenheit geraten sind, wie die Graham Paige-Wagen, die Chandler-Wagen und so weiter. Das gleiche kann auch von den Marinemotoren gesagt werden. Die damals meistgekauften Bootsmotoren hießen Kermath, Hispano-Suiza und Saurer. Und wie stand es damals mit der Bootbauerei nach dem Krieg? Auch hier ist ein alter Katalog aus der damaligen Zeit erhalten geblieben. Motorboote, vom Seekreuzer für Nordseefahrten, Motoryachten von 16 m Länge, Kreuzeryachten mit einem 75-PS-Motor ausgerüstet, Passagierboote für 50 Personen, Schleppboote, Tourenboote mit Segeleinrichtung und Motor ausgerüstet, Elektroboote, größere und kleinere Runabouts, die bereits vorgängig erwähnten Segelboote, Ruderboote samt Skiff (Outrigger) und kleinen Yachtbeibooten, alles konnte in Auftrag gegeben werden. Eine Leistung sondergleichen in der damaligen Zeit, für eine Werft in einer nicht seefahrenden Nation.

Logo Bootswerft Faul Horgen Schweiz
Logo Bootswerft Faul Horgen Schweiz

Als der Gründer am 8. März 1945 für immer das Steuer aus seiner Hand geben musste, waren drei Söhne da, Hans, Franz und Ernst. Ersterer sammelte, nachdem er das Bootbauhandwerk erlernt hatte, seine Erfahrungen in England und Amerika und nahm später im Betrieb die Stellung als Zeichner und Konstrukteur ein. Franz hingegen bildete sich vorerst zum Mechaniker in den Saurerwerken und bei Hispano in Paris aus. Der dritte Sohn, Ernst Faul, machte sich bald darauf selbstständig und führt heute in Erlach am Bielersee seine eigene Werft.

Kajütboot - entwickelt und gebaut bei Bootswerft Faul AG - 1937
Wohnboot – entwickelt und gebaut bei Bootswerft Faul AG – 1937

Der zweite Weltkrieg brachte in Horgen wiederum die gleiche Situation wie im vorhergegangenen. 1941 wurden 49 „Piraten“, 10 m2 Einheitsjollen, gebaut, wovon die ersten 14 für den Zürcher Yacht Club bestimmt waren. Das Bauprogramm umfasste ferner den Lacustre, den Skandinavischen 15er, die Starboote, sowie die 4 m R-Yachten. Doch bereits 1946 drehten die ersten Schiffsschrauben wieder und die ersten Motorboote warfen im Werfthafen die Leinen los. Zwei Jahre später kam dann plötzlich der Trend zu den Wohnbooten, nachdem Bauland am Ufer rar geworden war. In einem leicht abgegriffenen Büchlein, welches sich in unserem Archiv befindet, ist fein säuberlich jedes Boot eingetragen, das auf der Werft gebaut wurde. In früheren Jahren war der Export noch sehr aktuell; so hatten die Pflanzer an der Küste Sumatras ihre speziellen „Elfmeter-Boote“ und auf der Moldau zirkulierten schnelle Kontrollboote aus Horgen. Aus gesundheitlichen Rücksichten zog sich Franz Faul in den Ruhestand der im Jahre 1965 in die Faul AG Horgen umgewandelte Firma zurück. Sein Bruder Hans war bereits im Jahre 1953 gestorben. Auch bei diesem Wachwechsel durfte der Vater sein Werk zuversichtlich seinen beiden Söhnen Franz und Hanspeter anvertrauen. Ersterer hatte nach einer Werkzeugmacherlehre auf das Bootsgewerbe umgesattelt und leitete den technischen Teil des Betriebes, während Hanspeter als gelernter Bootbauer dem Betrieb vorstand.

Swiss Craft Offshore Sedan Express - 1948 - Bootswerft Faul AG (CH)
Swiss Craft Offshore Sedan Express – 1948 – Bootswerft Faul AG (CH)

Doch immer mehr machte in den 70er-Jahren die Wirtschaftskrise dem traditionellen Bootsbau zu schaffen, so dass man sich schweren Herzens entschloss, im Jahre 1974 den Bau der weit bekannten Swiss Craft-Motorboote einzustellen und sich dem Import der immer mehr aufkommenden, günstigeren und pflegeleichteren GFK-Boote zu widmen. Doch noch immer nennen viele, passionierte Wassersportler ein Swiss Craft Boot aus früheren Zeiten stolz ihr Eigen und dokumentieren auch jetzt noch, abgehoben von all den GFK– und Stahlbooten in der Schweiz, einen Teil der langen, erfolgreichen Bootbauzeit der Firma Faul, Horgen.

 

 


Horgen, 11.06.1999/FFj. / Berlin im April 2011 (dp)

Anmerkung der Redaktion:

Text und Bilder der Biographie sind mit Genehmigung von Franz und Urs Faul als Original übernommen und werden sukzessive erweitert. Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung, die freundlichen Gespräche und freuen uns auf weitere Informationen aus Ihrem umfangreichen Archiv. Ihnen weiterhin ganz viel Freude und Schaffenskraft.

Hellmuth Fugmann

0

Hellmuth Fugmann wurde am 12. Juli 1901 in Plauen im Vogtland geboren, der Stadt, in der die damals schon berühmten Plauener Spitzen und andere wertvolle Stoffe hergestellt wurden. Sein Vater, Richard Fugmann, war Dessinateur – Musterzeichner im Textilgewerbe. Von ihm erbte er sicherlich die Anlagen, die später einmal die Grundlage für sein Lebensinhalt und Broterwerb wurden.

1916 Lehrvertrag Hellmuth Fugmann
1916 Lehrvertrag Hellmuth Fugmann

Von 1907-1916 besuchte er das Realgymnasium in Friedrichshagen. Fugmann interessierte sich schon früh für den Schiffsbau und hatte demnach den Wunsch, Bootsbauer zu werden. Mit 15 Jahren, am 1. April 1916, begann er die Lehre in der Bootswerft Schulze – Inh. Karnatz & Lehmann in Friedrichshagen. Am 31. August 1917 wurde der Lehrvertrag aufgehoben, da die Bootswerft Schulze den Betrieb einstellen musste. Aus den verschiedenen Lebensläufen von Hellmuth Fugmann geht hervor, dass er die Berufsschule erfolgreich abgeschlossen hat.

1920 Fugmann - Zeugnis von Naglo
1920 Fugmann – Zeugnis von Naglo

Wegen seiner überdurchschnittlichen zeichnerischen Veranlagung wurde man auf Hellmuth Fugmann aufmerksam. Von der Naglo-Werft in Zeuthen, der Nachfolgerin der Engelbrecht-Werft, wurde er zu einem Volontariat eingeladen. Hier arbeitete er dann ein Jahr, vom 4. Oktober 1917 bis 10. Oktober 1918, im Schiffsbautechnischen Büro. Danach war er Schiffsbautechniker bis 1920 bei Naglo. Der Betrieb wurde zwischenzeitlich nach Spandau verlegt und ist heute die Marina Lanke.

Von 1920-1923 arbeitete Hellmuth R. Fugmann in der Alfred Hensel Schnellbootswerft in Berlin–Rummelsburg als Konstrukteur. Nachdem dieser Betrieb liquidiert wurde, eröffnete er sein „Schiffbautechnisches Büro Helmut R. Fugmann“ auf dem Wohnsitz seines Vaters in Berlin Rahnsdorf.

Anzeige in Yacht 12/1920 von Hellmuth Fugmann
Anzeige die Yacht Dezemberausgabe 1920

Entgegen seines persönlichen Lebenslauf fanden wir während der Recherche heraus, dass Hellmuth R. Fugmann schon 1920 selbständig gearbeitet haben muss, eventuell auch nebenberuflich. So schaltete er im Dezember 1920 eine eigene Werbung mit Sitz in Berlin–Rahnsdorf. Für die Bootswerft Chr. Hintz & Co. entwarf er 1921 drei Schiffe, einen 30 qm Kielkreuzer, ein Auto- und ein Rennboot. Hellmuth R. Fugmann konstruierte in der Zeit seiner Selbständigkeit für Privatpersonen, Behörden und mehr als zwanzig Werften. So finden wir alleine in der „Die Yacht“ über 49 Risse, die aus der Feder von Fugmann stammen.

Hellmut Fugmann (mi) - rechts Herr Spieß - links Reimer Hoffmann
Hellmut Fugmann (mi) – rechts Herr Spieß – links Reimer Hoffmann

Im Mai 1943 wurde er von der Yachtwerft Claus Engelbrecht in Berlin–Köpenick als Konstrukteur dienstverpflichtet. Ihm unterlag in der Werft die Betriebs- und Bauaufsicht, die ihm im Juli 1944 durch den Einsatz eines Mitgliedes der NSDAP wieder entzogen wurde. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges war er noch mit der Betreuung anderer Werften beschäftigt. Die nach der Kapitulation gegründete Zentralverwaltung für Verkehr, Generaldirektion Schifffahrt, setzte Hellmuth R. Fugmann als Betreuer der Berliner Bootswerften ein. Seine 25-jährige Berufspraxis im Kleinbootsbau kam ihm für diese Entscheidung zu Gute.

Am 01.06.1946 wurde er durch die Generaldirektion Schifffahrt mit Zustimmung der SMAD zum technischen Leiter der Yachtwerft Claus Engelbrecht berufen, da laut SMAD-Befehl Nr. 124 das Vermögen der bisherigen Besitzer beschlagnahmt wurde. Die Claus-Engelbrecht Yachtwerft hatte den Krieg unzerstört überlebt. Das Bezirksamt von Köpenick setzte den Firmenmitinhaber Dr. jur. Erwin Engelbrecht als Treuhänder ein. Hellmuth R. Fugmann unterstützte in hohem Maße die Weiterentwicklung der Yachtwerft Engelbrecht und erhielt 1951 einen Einzelvertrag als Chefkonstrukteur.

Am 01.02.1958 wurde ihm im Auftrag der DDR-Führung durch das Ministerium für Schwermaschinenbau die Anerkennung der Berufsbezeichnung „Ingenieur der Fachrichtung Schiffbau“ verliehen. Hellmuth R. Fugmann erreichte am 15.07.1966 das Rentenalter und beendete somit seine berufliche Laufbahn in der VEB Yachtwerft Berlin mit einem Aufhebungsvertrag vom 12.07.1966

Hellmuth R. Fugmann gehört zu den bekanntesten Bootsbau-Konstrukteuren. Er erhielt international und national sehr viele Preise. Er wird unter anderem mit folgenden Errungenschaften in Verbindung gebracht:

  • eine Vielzahl von Weltmeisterbooten
  • konstruierte das schnellste Polizeiaufsichtsboot
  • entwarf den schnellsten Diesel-Polizeikreuzer
  • konstruierte die Mathea III, die 1938 den Stundenweltrekord in der 1.200 Kg Klasse errang
  • konstruierte „Tempo“, ein Boot in der 800 Kg-Gruppe, mit dem Hans Stuck (sen.) 1939 den Stundenweltrekord hielt.

Wir werden in gesonderten Beiträgen die Erfolge von Hellmuth R. Fugmann vorstellen und sein Lebenswerk ausführlich beschreiben.

Anmerkung: Der Namenszug von Hellmuth Fugmann stellte im Laufe seines Lebens unterschiedliche Schreibweisen dar. Während er in seinem ersten Lehrvertrag noch mit „Helmut Fugmann“ zeichnete (1916), wandelte sich später die Schreibweise in Hellmuth Fugmann (1920), Hellmut R. Fugmann (1926), Richard Hellmuth Fugmann (1936) und ab 1945 dann Hellmuth R. Fugmann.

 

Hellmuth Fugmann - Seine Stationen

intern wdt_ID wdt_created_by wdt_created_at wdt_last_edited_by wdt_last_edited_at von bis Ereignis bild
1 webmaster 19 May 2024 23:08 webmaster 20 May 2024 13:33 1946

01.06.1946 Berufung zum Technischen Leiter der Yachtwerft Claus Engelbrecht durch die Generaldirektion Schifffahrt mit Zustimmung der S.M.A.D. (Sowjetische Militäradministration).

2 webmaster 19 May 2024 23:14 webmaster 23 May 2024 20:23 1946

Oktober Kiellegung für den ersten Fischkutter im Werk Wendenschloß, Stapellauf April 1947. über 100 weitere Einheiten folgten!

3 webmaster 19 May 2024 23:14 webmaster 19 May 2024 23:14 1948 Fugmann wird Chefkonstrukteur
4 webmaster 19 May 2024 23:15 webmaster 19 May 2024 23:15 1949 bei Grünheide treffen sich 30 Motorboote auf dem Peetzsee zur 1. Regatta nach Kriegsende.
5 webmaster 19 May 2024 23:15 webmaster 20 May 2024 13:36 1949

Winter 49/50: Gründung der "Motorwasser-Rennsportgemeinschaft Berlin Grünau unter dem Protektorat der "BSG Yachtwerft Berlin" 

6 webmaster 19 May 2024 23:15 webmaster 23 May 2024 22:42 1950

15.10.50: Doppelsieger H. Fugmann in Berlin-Grünau mit "Guy de Boisson", 400 kg-Klasse, 4 ltr. Schnellboot-Klasse über eine 6 km Rennstrecke, sowie in der 400 kg-Klasse 1,5 Ltr. Schnellboot-Klasse (BZ am Abend 17.10.1950)

7 webmaster 19 May 2024 23:16 webmaster 20 May 2024 13:45 1951

01.05.1950: Fugmann erhält als Chefkonstrukteur einen Einzelvertrag. Arbeitsgebiet: "Entwürfe zu jedem Projekt wie Reisemotoryachten, Autoboote, Segelschiffe von 7 qm - 150 qm Segelfläche, Feuerlöschboote, Fahrgastschiffe, Eisbrecher, Barkassen, Schlepper und Rennboote. Besondere Spezialität Motorrennboote." Unter den Kostruktionsunterlagen finden sich neben den vielen Motorfahrzeugen auch die folgenden:

  • Segelboote und Ruderboote: 
    • 5 qm Jugendjolle (3,50 x 1,25 m),
    • 10 qm Jugendjolle "Pirat" 5,00 x 1,60 m)
    • 10 qm Olympia-Jolle (5,00 x 1,68 m)
    • 15 qm Wanderjolle (6,20 x 176 m)
    • Zehn Riemen-Kutter (7,5 x 2,04 m,25 qm Segelfläche)
    • 12 qm Eis-Yacht ( 7,6 x 4,04 m)
    • 30 qm Seefahrtkreuzer (LBT 9,87 x 2,39 x 1,40 m)
    • 40 qm Seefahrtkreuzer, (LBT 11, 10 x 2,54 x 1,4 m)
    • 80 qm Seegehende Ketsch (LBT 14,00 x 3,30 x 1,90 m)
    • 150 qm Seefahrtkreuzer (LBT 18,50 x 4,0 x 2,40 m)
    • weiterhin Ruder- und Paddelboote in verschiedenen Bauarten und Abmessungen
8 webmaster 19 May 2024 23:16 webmaster 20 May 2024 13:46 1951

Weltfestspiele 1951: In Grünau starten ca. 80 Motorrennboote in 12 Klassen vor 30.000 Zuschauern

10 webmaster 19 May 2024 23:23 webmaster 19 May 2024 23:23 1951 Weltrekord Gleiter mit 175-ccm-Außenbordmotor mit 6 PS, 68 km/h
11 webmaster 19 May 2024 23:23 webmaster 23 May 2024 22:16 1951

"Bär von Berlin", Dreipunktgleiter, 6 ltr. Walther-Motor mit 200 PS, Fahrer R. Kappner "Großer Preis von Deutschland", "Großer Rheinpreis", "Blaues Band vom Wannsee

 


Berlin im Oktober 2008 (dp)
Wir danken Thomas Vießmann (Geschäftsführer Wassersportzentrum Berlin), Christoph Geyer (Geyer-Design) und Manfred Ernst (Konstrukteur) für die Beantwortung der Fragen und die Überlassung der Original-Unterlagen von Hellmuth R. Fugmann. Heike Hoffmann (BBG) hat uns überhaupt erst den Kontakt ermöglicht, Ihr gilt ein großer Dank. Frau Schwarz (Wassersportzentrum Berlin) danken wir für die zügige Koordination. Einen großen Dank schon jetzt an Reimer Hoffmann (Bootsbaumeister), der uns auch noch im Laufe der weiteren Recherchen unterstützen wird.

Hans Pfennig

0

Hans Pfennig wurde am 3. August 1931 in Kalkberge/ Rüdersdorf geboren. Mit 7 Jahren, ein Jahr vor Beginn des zweiten Weltkrieges, wurde er in die Volksschule in Grünheide eingeschult. Dort lernte er acht Jahre. 1946, ein Jahr nach Beendigung des Krieges, suchte man in der damaligen sowjetischen Besatzungszone Schüler, die erfolgreich lernten, deren Eltern es sich aber nicht leisten konnten, ihre Kinder bis zum Abitur in die Schule zu schicken. Hans wurde ausgesucht und bestand auf Anhieb die Aufnahmeprüfung. Im Jahr 1946 begann seine Schulzeit in der Theodor- Fontane- Schule in Erkner. Diese war vor dem Krieg ein Lyzeum, eine höhere Schule für Mädchen. 1950 bestand er sein Abitur.

Schon während seiner Schulzeit hatte sein Vater, der Bootsbauer Paul Pfennig, darauf gedrungen, dass sein Sohn bei ihm in der Werkstatt mithilft, um die Holzbearbeitung zu erlernen. Zu dieser Zeit wurden noch keine Boote gebaut . Hans Pfennig arbeitete in seiner Freizeit immer fleißig mit und konnte so mit jedem Werkzeug und jedem Holzstück umgehen. Ab 1950 fing der Vater an, in seiner eigenen Werkstatt Boote zu bauen und weckte bei seinem Sohn das Interesse mitzumachen.

Grünheide liegt in einer wasserreichen Umgebung. Aus diesen Gründen lag es nahe, dass Hans sich für Boote interessierte und Schiffsbau studieren wollte. „Im so genannten Arbeiter-und- Bauern- Staat, der DDR ,war es jedoch nicht erwünscht, dass Kinder von selbständigen Unternehmern „Akademiker“ werden“, erinnert sich Pfennig. Alternativ dazu wollte er dann Journalist werden. „ Die politischen Verhältnisse zu dieser Zeit hätten es aber erforderlich gemacht, dass ich mich hätte verbiegen müssen“, schlussfolgert er. Daher nahm er Abstand von seinen Wünschen und konnte auf Grund seiner Vorkenntnisse in der Schiffswerft bei Willi Lehmann in Woltersdorf am Flakensee seine Lehre beginnen. Eigentlich sollte er nur ein Jahr lernen, die Prüfung war aber erst nach eineinhalb Jahren. Hans Pfennig bestand am 08.03.1952 seine Gesellenprüfung (Facharbeiterprüfung). Sein Gesellenstück war ein halber „Drachen“. Der Prüfungsausschussvorsitzende, Herr Kuhlbrodt, hatte Zweifel , dass Hans Pfennig das Gesellenstück alleine gefertigt hatte, musste sich aber überzeugen lassen.

Ähnlich wie Meisterstück
Ähnlich wie Meisterstück

Noch während dieser Zeit verließ sein Lehrmeister auf Grund von politischen Repressalien sein Land und ging in die Schweiz. Er sollte 80 000 Mark, für damalige Verhältnisse in der DDR eine sehr hohe Summe, als fiktive Steuersumme zahlen. Dazu war er nicht in der Lage. Deshalb ging er. Seine Firma wurde stillgelegt. Hans Pfennig trat eine neue Beschäftigung in der Bootswerft Priebe, vormals Perlitz, in Fangschleuse an, wo er ca. 1,5 Jahre arbeitete. In dieser Zeit warben Vertreter der DDR um Willi Lehmann . Er sollte wieder zurückkommen und man versprach ihm „goldene Berge“. Willi Lehmann ließ sich „breitschlagen“ und ging auf das Angebot ein. Er durfte an alter Stätte seinen Betrieb weiterführen. Man kannte seine Qualitäten. Hans Pfennig wurde wieder eingestellt und arbeitete dort noch weitere drei Jahre. Bei Willi Lehmann wurden R-Yachten, Drachen und Motorboote (T4 nach einem Ernst-Riss und nach eigenen Entwürfen) gebaut. Er brachte neue Ideen aus der Schweiz mit, konstruierte eigene Schiffe und so entstanden hochmoderne Motorboote. Die Boote hatten Ähnlichkeit mit den Bösch-Booten, abgerundete Spiegelformen und alle Boote hatten ein Stabdeck. Für die hellen Streifen wurde weißes T-Profil-Gummi verwendet. Die Verarbeitung war sehr aufwendig.

Während der Begutachtung von Paul Pfennigs Meisterstück durch den damaligen Prüfungsaus-schussvorsitzenden legte dieser dem Sohn Hans Pfennig nahe, ebenfalls die Meisterprüfung abzulegen. Hans Pfennig fand diese Idee sehr gut und bewarb sich bei der Innung zur Zulassung und erhielt diese auch. Er konstruierte ebenfalls ein Motorboot und baute dieses selbständig in der Werkstatt seines Vaters. Die Arbeiten führte Hans Pfennig in seiner Freizeit durch, da er noch bei Willi Lehmann angestellt war. Den theoretischen Meisterlehrgang besuchte er nicht. Er bereitete sich autodidaktisch vor und wurde zur mündlichen Prüfung vorgeladen. Man befragte ihn im Bereich Rechtskunde zum Problem, was er machen würde, wenn ein Kunde nicht bezahlt? Er antwortete nur: „Dann nehme ich mir einen Anwalt“, das war in diesem Land leider die falsche Antwort. Das Meisterstück wurde von Franz Pfennig (nicht verwandt) mit der Note 1-2 bewertet und abgenommen. Einer der Beisitzer, Herr Wilhelm Görrissen oder Herr Albert Ludwig, hatte jedoch Bedenken, dass aus Opportunitätsgründen ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde. Daher kam eines Tages der Ausschussvorsitzende Herr Helmholz mit seinem Leichtmotorrad aus Potsdam vorbei. Hans Pfennig erinnert sich: „Wir sind dann mit einer Taschenlampe in den Schuppen gegangen, es war schon dunkel und Strom gab es in dem Schuppen noch nicht“. Helmholz war mit der Meisterarbeit sehr zufrieden. Er übernachtete noch im Haus der Pfennigs. Hans ging morgens wie gewohnt zur Arbeit. Er erfuhr erst später, dass der Ausschussvorsitzende am Vormittag noch einmal in der Werkstatt war und sich das Boot sehr genau ansah. Herr Helmholz erteilte Hans Pfennig für sein Meisterstück die Note 1.

Meisterbrief Hans Pfennig - 1957
Meisterbrief Hans Pfennig – 1957

Hans Pfennig bestand somit am 23.03.1957 seine Meisterprüfung. Das gebaute Boot war unter Wasser englisch geklinkert, die Seiten mit Nahtleistenbau. Es hatte einen BMW Dixi Motor und wurde noch zwei Jahre selbst von Pfennig gefahren, bis es 1959 nach Fürstenwalde verkauft wurde. Der Verkauf des Bootes bleibt immer in bitterer Erinnerung. Es war der 10. Juni 1959, ein ausgesprochen kalter Tag. Während des Verkaufsgesprächs war der einjährige Sohn, Frank Pfennig, der in unmittelbarer Nähe der Löcknitz spielte, nicht mehr auffindbar. Nach intensiver Suche fand man ihn im Schilf unter Wasser, wo er bereits ca. fünf Minuten gelegen hatte. Nun war es damals nicht so leicht, einen Arzt zu finden, zumal man auch kein Telefon hatte. Ein dramatischer Zustand. Frank Pfennig hatte sehr viel Glück, er trug keinen gesundheitlichen Schaden davon und überstand die Sache ohne jegliche Probleme. Mit Sicherheit hatte er damals einen Schutzengel . Vermutlich war die relativ hohe Wassertemperatur die Ursache für den glücklichen Ausgang.

Hans Pfennig machte sich gleich nach der Meisterprüfung (1957) selbständig. Zu diesem Zeitpunkt hörte auch Paul Pfennig bei Willi Lehmann auf und beide Pfennigs arbeiteten in der Werkstatt von Paul Pfennig. Wirtschaftlich jedoch jeder für seine eigene Firma. Willi Lehmann hätte es sehr gerne gehabt, dass Hans Pfennig als Meister noch bei ihm geblieben wäre, der aber wollte sich in Selbständigkeit weiter entwickeln. Sein Entschluss stand fest.

Herr Lohburg holt mal wieder eine Ladung boote ab
Herr Lohburg holt mal wieder eine Ladung boote ab

Die Pfennigs kannten einen gewissen Herrn Lohburg aus Woltersdorf, der im Strandbad Müggelsee Bademeister und praktisch der Leiter war. Dieser vermittelte, bzw. sorgte dafür, dass Pfennigs den Auftrag erhielten, sämtliche Ruder-, Paddel- und Rettungsboote für das Strandbad zu bauen. Auf Grund der hohen Nachfrage, dies ging bis weit in die 60-ziger Jahre, bauten Vater und Sohn in den Wintermonaten unentwegt diese Boote, die sich auf dem kleinen Grundstück schon stapelten. Es handelte sich hierbei um voll geklinkerte, aufwendig gearbeitete, mit Lehnen versehene Boote. So wurden pro Saison ca. 15 solcher Boote gebaut. Im Frühjahr kam Herr Lohbug dann mit einem Motorboot vorbei und nahm im Schlepp 5-6 Boote gleichzeitig mit, die er dann über die Löcknitz nach Rahnsdorf überführte. Zeitgleich gab es immer ausreichend Arbeit mit den Reparaturen der Boote, die durch die intensive Nutzung der Gäste im Strandbad und durch die Witterung Überholungsbedarf hatten. Die Zusammenarbeit mit Herrn Lohburg klappte hervorragend, man vertraute sich und konnte sich aufeinander verlassen. Vater und Sohn verbanden viele gemeinsame Erlebnisse. 1966 wurde Paul Rentner, half aber gerne in der Werkstatt bis zu seiner Krankheit, an der er 1979 verstarb. Hans erinnert sich gern an folgende Anekdote: „Der Schriftzug „Strandbad Müggelsee“ musste mit der Hand auf die Boote geschrieben werden. Ich schrieb also auf ein Boot das Wort „Strandbad“ und ging dann zur Mittagspause nach Hause. Als ich von der Pause zurückkam, wollte ich nun den Schriftzug „Müggelsee“ ergänzen und traute meinen Augen nicht. Ich dachte, das gibt es doch nicht!“ erinnert er sich, „ da stand plötzlich schon das Wort „Müggelsee“, jedoch war mein Schriftzug „Strandbad“ verschwunden.“ Bis sich nun aufklärte, dass in der Mittagspause sein Vater den Schriftzug „Müggelsee“ ergänzte, dabei jedoch mit seinem Ärmel den noch feuchten Schriftzug seines Sohnes verwischte und abrieb. Eine zweite Anekdote fällt ihm noch ein: „ Ein nach Kundenauftrag gebautes Boot sollte übergeben werden. An dem Tag, als der Kunde kam, um das Boot abzuholen, regnete es. Dabei wurde das Boot natürlich nass. Der Kunde regte sich ziemlich darüber auf, dass das Boot nass wurde“ erinnert sich Hans Pfennig, worauf er dem Kunden damit antwortete, dass das Boot noch öfter nass werden würde.

Angelkahn - Hans Pfennig
Angelkahn – Hans Pfennig

Der Betrieb entwickelte sich zunehmend. Es wurden dann auch sehr viele Halbklinker-Boote für den Binnen-Handel der DDR gebaut. Dazu muss ergänzt werden, dass alle Arbeiten damals zwangsweise über den staatlichen Handel abgerechnet werden mussten. Bestellte ein privater Kunde ein Boot, so bekam dieser die Rechnung vom staatlichen Handel, nicht von Pfennigs. Das betraf nicht die Boote für das Strandbad, da es sich hierbei um einen staatlichen Betrieb handelte. Von den Mahagoni – Angelkähnen wurden dann sehr viele, ca. 3-4 im Monat, gebaut. Alle wurden über den staatlichen Handel verkauft. Pfennigs fertigten sich hierzu Schablonen an, die dann als Anriss dienten. Ihre eigenen Risse zeichneten sie auf Papier. Hans Pfennig übertrug allerdings schon frühzeitig seine Risse nicht mehr vom Papier auf das Holz , sondern zeichnete gleich 1:1 auf Bretter.

Eines Tages kam der Präsident des DDR-Angelsportverbandes, Herr Stein, in die Werkstatt der Pfennigs nach Fangschleuse und gab den Auftrag zum Bau eines Bootes mit klaren eigenen Vorgaben. Nachdem die Bootsbauer dieses Boot konstruiert, gebaut und übergeben hatten, wurden aus der Anglerkolonie „Karolinenhof“, in der der Präsident sein Wochenendhaus hatte, ca. 30 neue Aufträge von den dort Wohnenden erteilt. Es handelte sich hierbei um teilweise offene Boote, manche erhielten ein Deck. Diese hatten aber nichts mit den Booten der Grünheider Favorit-Werft zu tun, da die PGH Favorit erst später ähnliche Boote mit dem Namen der Werft baute. Die PGH Favorit wurde im Februar 1958, also etwa zeitgleich mit Hans Pfennigs Selbstständigkeit gegründet. Damals hatte man ihm die Leitung der PGH angeboten, was er ablehnte. Die Boote wurden in verschiedenen Größen gebaut, überwiegend mit 5 Meter Länge (fünf Planken). Der „Standard-Typ“ war 4,5 m, mit vier Planken. Manchmal wurden die 4,5 m Boote auch mit fünf Planken gebaut. Dies war immer dann der Fall, wenn es nicht ausreichend Mahagoni gab. Dann wurde Eiche verwendet und mit diesem Holz konnte man die Planken nicht so breit machen, da Eiche zwar sehr hart ist, aber in der Länge schnell reißt.

Auf dem Holzplatz
Auf dem Holzplatz

In der damalige DDR war die Materialbeschaffung ein sehr komplexes und oft nicht lösbares Problem. Man musste erfinderisch sein und ständig improvisieren. Zum Beispiel wurde oftmals das Unterwasserschiff der Boote aus Eiche hergestellt und nur die Oberplanke wurde in Mahagoni verbaut. Um Material überhaupt zu bekommen, mussten Handwerker immer Mitglied einer Genossenschaft sein, in diesem Fall war es die Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Holzverarbeitenden Handwerks Fürstenwalde. In diesem Verband waren die Tischler, die Bootsbauer, die Stellmacher, eben alle die, die Holz verarbeiteten. „Auch die Bestatter, die haben Erdmöbel hergestellt“ ,bemerkt Hans Pfennig mit einem verschmitzten Lächeln. „Bis zum Mauerbau konnten wir noch nach Westberlin fahren und Kupfernägel, Messingschrauben und andere Materialien, die wir hier nicht bekamen, kaufen“, erinnert sich Hans Pfennig. Später erhielten Pfennigs diese Materialien von der Genossenschaft, ansonsten wäre eine Produktion gar nicht möglich gewesen. Das Hauptproblem war, wenn es Material gab, dass man so viel wie möglich davon kaufen musste, man wusste nicht, wann die nächste Lieferung kam. Es war einfach so. „ Besonders schlecht war es in den letzten Jahren vor dem Mauerfall, da wusste niemand, ob es überhaupt noch was gibt“, erinnert sich Frank Pfennig, der Sohn von Hans Pfennig. Schwierig war die Beschaffung von Schrauben und Nägeln. Frau Pfennig erinnert sich, wie sie Nägel in Fürstenwalde kaufte und abholte, um diese dann nach Köpenick zum Verzinken zu bringen. Zum Bootsbau durften nur feuerverzinkte Eisennägel, Messingschrauben und Kupfernieten verwendet werden. Oftmals hatten die Nägel nicht die richtige Länge , dann wurden die längeren Nägel abgekniffen.

unbekannt
unbekannt

„Trotzdem“, weiß der Bootsbauer „wurden wir aber immer mit diesen Situationen fertig. Not macht erfinderisch. Wir haben trotz der Engpässe sehr schöne Boote gebaut. “ Hans Pfennig baute zwischen den Serienfertigungen immer wieder auch Sportboote, oftmals für den Eigenbedarf, wobei diese in der Regel durch private Nachfragen schnell wieder verkauft wurden. Manchmal war es so, dass sie schon vor Fertigstellung „versprochen“ wurden. Diese Boote waren immer Eigenentwicklungen, die er nie auf Papier zeichnete, sondern direkt auf zusammen gespannten Brettern in Originalgröße aufriss und anschließend baute. Der Spantenriss wurde auf Sperrholzplatten gezeichnet, die heute noch existieren. Hans Pfennig wählte diese Vorgehensweise, da Papier in der rauen Arbeitsplatzumgebung feucht werden konnte und sich dabei geworfen und verändert hätte. Da es um Millimeter ging, hätte die Papierzeichnung bald nicht mehr gestimmt. Ein Millimeter Abweichung auf fünf Meter Länge machen sich bemerkbar.

Biene II - mit integrierten Kindersitz :-)
Biene II – mit integrierten Kindersitz 🙂

In Serie baute Hans Pfennig Kajütboote, die Biene I, II und III. Die Biene I war ein in Leistenbau gefertigtes, englisch geklinkertes Holzboot. Diese Bauart (umgekehrt geklinkert) hat den Vorteil, dass das Wasser, das ins Boot kommt, zum Beispiel Regen-, Schwitzwasser oder ähnliches direkt in den Kiel läuft und sich nicht in den Klinkernähten sammelt. Auch kann sich kein Dreck auf die Nähte legen, der, wenn er sich mit Wasser vermischt, das Holz zum Modern bringen würde. Das Massivholz wurde zunächst mit Halböl zweimal gestrichen und dann wurde mindestens sechsmal Lack mit jeweiligem Zwischenschleifen aufgetragen. Hans Pfennig verwendete immer nur 1-Komponenten-Lack. Der Bau der Biene war sehr aufwendig, weil 12mm starkes Holz verarbeitet werden musste. Gerade die unterste Planke (Gangbord) musste von ganz senkrecht auf waagrecht gezogen werden, dies konnte man nur durch Steamen oder Brennen erreichen. Aufgrund der aufwendigen Verarbeitung und der nicht ausreichenden Wirtschaftlichkeit rief Hans Pfennig nach fünf gebauten Biene I die Biene II ins Leben. Die Außenhaut des Bootes wurde komplett in Bootsbausperrholz gebaut, der Steven, der Kiel und die Planken aus massiven Eichenbohlen. Das Boot hatte eine Länge von 5,50 Meter. Wann immer verfügbar, wurde Macoré zur Verarbeitung verwendet, ansonsten Okumé. Hans Pfennig laminierte grundsätzlich jedes ausgelieferte Boot im Unterwasserbereich mit Expoxy und Glasgewebe. Zu dieser Zeit wurden auch die Sportboote laminiert. Dies ist wohl heute der Grund, dass keine der noch im Wasser befindlichen Bienen von unten durch gefault sein dürfte.

In den letzten DDR- Jahren stellte Hans Pfennig noch einmal die Produktion um. Die Sperrholzplatten, die er bekam, waren 1,22m x 2,52 m. Um die Platten besser ausnutzen zu können und im Boot mehr Platz zu schaffen, verlängerte er das Cockpit der Biene um 50 Zentimeter und so entstand die Biene III. Insgesamt wurden 54 Biene Typen gefertigt, überwiegend im Auftrag von Privatkunden. Wenn es die Zeit hergab und das Material vorhanden war, dann bekam auch der Handel eine Biene ab. „Wir hätten viel mehr produzieren können, aber mit meinem Ein-Mann-Betrieb kam ich schlicht an die Leistungsgrenze“ erinnert sich Hans Pfennig. Die Nachfrage war da und Hans Pfennig stellte auf verschiedenen Messen seine „Bienen“ aus, so zum Beispiel in Potsdam, Magdeburg und Halle.

die kleine Werkstatt der Pfennigs
die kleine Werkstatt der Pfennigs

Als Paul Pfennig 1966 in Rente ging, baute sich Hans im Anbau zur alten Werkstatt eine kleine Werkstatt, um sich auf den Bau der Biene zu konzentrieren. Immer wieder bekam er die Unterstützung von seinem Vater und seiner Frau, wenn zum Beispiel beim Leimen der Sperrholzplatten zwei Hände nicht ausreichten. Später half ihm sein Sohn Frank. Erstaunlich ist, wie man in solch beengten Verhältnissen überhaupt so große und so viele Boote bauen konnte. Die Werkstatt misst gerade mal ca. 8 x 4 Meter, der Anbau ca. 4 x 3 m. Die ursprüngliche Werkstatt ist nach Schätzungen kurz nach der Jahrhundertwende (1900) gebaut worden und hat noch heute den Charme von damals. In ihr ist kein gefliester oder betonierter Boden, sondern noch der Sandboden wie vor 100 Jahren. Hans Pfennig sah das aber immer als Vorteil an, so konnte man den Boden flexibel nutzen.

Werkstatt von innen
Werkstatt von innen

Eine schmale Werkbank über die ganze Länge rechts und links wurde für viele Arbeitsschritte verwendet, auch zum Lackieren. Bevor es ans Lackieren ging, wurde die Werkstatt einfach „feucht“ gesäubert. Die Einzelteile für die Boote wurden auf einer mobilen Werkbank im Freien hergestellt und der Zusammenbau erfolgte dann in der Werkstatt. Die mobile Werkbank bestand aus Bohlen auf Böcken. Mit der im Freien stehenden Kreissäge, die sein Vater selbst gebaut hatte, wurde bis zum Schluss millimetergenau gesägt. Wer diese Bedingungen sieht, kann sich wahrlich nur schwer vorstellen, wie solche schönen Boote entstanden. Das kann nur denen gelingen, die handwerklich sehr geschickt und Bootsbauer mit Leib und Seele sind, eben den Pfennigs.

Wie kamen die Boote aber nun vom Grundstück herunter? Die kleinen Boote konnten Pfennigs über die Löcknitz, die ja unmittelbar an ihr Grundstück grenzt, zum Käufer bringen, für die großen Boote wurde eine spezielle Brückenkonstruktion gebaut, so dass sie über eine Zugvorrichtung auf die andere Seite auf eine Wiese geschleppt wurden. Dort konnten sie dann mit einem Anhänger oder einem Schlepper abgeholt werden.

Nach der Wende 1989 wurde der Betrieb von Hans Pfennig auf seine Ehefrau Gerda Pfennig überschrieben. Es war die Zeit von Glitzer und Glimmer, keiner wollte mehr ein Holzboot, deren wirklicher Wert erst viele Jahre nach der Wende wieder erkannt wurde. Deshalb wurden nur noch sehr wenige Holzboote gebaut. die Nachfrage brach völlig ein. Der Betrieb war gezwungen, eine Reorganisation durchzuführen. Hans Pfennig verlagerte seine Tätigkeit auf den Verkauf von Booten, Motoren und Zubehör. Mit Werbung hatte er bis dato nichts zu tun gehabt. Dies änderte sich nun schlagartig. Er wurde regelrecht „überrannt“ von Leuten aus dem Westen, die ihm alles Mögliche versprachen , er müsse nur richtig werben.

Im schönen Stadtbad von Chemnitz
Im schönen Stadtbad von Chemnitz

An eine Anekdote erinnert er sich sehr gut: „ Eines Tages bekam ich einen Auftrag für eine Werbung für eine große Bank (Deutsche Bank). Hierfür sollte ich mein Ruderboot zur Verfügung stellen, welches ich so umbauen musste, dass drei Personen jeweils an einem Ruder sitzen konnten. Die Aufnahmen wurden im wunderschönen Stadtbad von Chemnitz gemacht. Sie dauerten mehrere Stunden. In diesem Bad war es sehr heiß und da musste alle fünf Minuten ein Schwimmer mit frischen Hemden zum Ruderboot schwimmen, damit die Herren die verschwitzen Hemden wechseln konnten.“ Es war eine interessante Geschichte, sein Boot wurde im Handwerker-Magazin “Der Wirtschaftsdienst“ abgelichtet und der Auftrag brachte auch noch etwas Geld – mehr Boote wurden dadurch aber nicht verkauft.

2002 brach noch einmal die Nachfrage ein. Am 01.12.2007, Hans Pfennig war mittlerweile 76 Jahre alt, wurde seine Firma abgemeldet, Produktion und Verkauf wurden eingestellt. Zum 50-zigsten Meisterjubiläum wurde Hans Pfennig am 23.12.2007 von der Handwerkskammer Frankfurt / Oder der goldene Meisterbrief überreicht, die Märkische Oder Zeitung berichtete darüber.

Hans Pfennig als Hobbyfotograf
Hans Pfennig als Hobbyfotograf

Heute kann Hans Pfennig seinem Hobby nachgehen. Er liest gern und immer fehlten ihm dazu Zeit und Muße. Nachdem ich dies erfahren hatte, brachte ich ihm ein paar alte Bücher zum Lesen mit, unter anderem „Der Bär“ und „Ein Heiratsantrag“ von Anton Tschechow. Es wäre nicht Hans Pfennig, wenn ihm nicht auch hierzu etwas einfallen würde. So erwähnt er ganz nebenbei, dass er genau diese Stücke in der Oberschule in Erkner mit anderen Schülern in den Ferien aufführte, um die Kasse für die Klassenfahrten aufzubessern. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass Hans Pfennig ein leidenschaftlicher Hobby-Fotograf ist und auch einige seiner Bilder ausgestellt wurden. Hans und Gerda Pfennig können sich nach all den Jahren, den Hochs und den Tiefs in ihrem Leben jetzt auf ihrem idyllischen Grundstück erholen. Dieser Ort lädt geradezu zum Entspannen ein. Alles ist ruhig, die alten Obstbäume hängen voll . Die Löcknitz fließt in unmittelbarer Nähe und lockt seltene Vögel wie den Eisvogel an.

Ehepaar Hans und Gerda Pfennig - Juni 2008
Ehepaar Hans und Gerda Pfennig – Juni 2008

Die Eheleute engagieren sich heute intensiv für den Heimatverein Grünheide. Dort haben beide die Ausstellung mit Exponaten und Wissenswertem zur Geschichte der Gemeinde maßgeblich unterstützt. Zum Beispiel steht im Ausstellungsraum der von Paul Pfennig 1920 als Modell gebaute Schärenkreuzer. Hier findet das Ehepaar mit ihrem Engagement Anerkennung und einen sinnvoll gestalteten Lebensabend. Hans Pfennig besuchte genau in diesem Gebäude die Grundschule. Hier im Robert-Havemann-Klubhaus begann ein wichtiger Lebensabschnitt und gerne möchten beide den jungen und alten Interessierten ein Stück Zeitgeschichte zurückgeben.

Sei noch zu ergänzen, dass Hans Pfennig seine Gerda, die damals in Lichtenow wohnte, der Ort ist 13 KM von Fangschleuse entfernt, am 06.11.1954 in der spätgotischen Lichtenower Kirche heiratete. Über den Weg gelaufen sind sie sich im Restaurant „Seeblick“ in Fangschleuse, in dem sich auch schon seine Eltern kennen gelernt hatten. Ihre Kinder, Cordula und Frank, konnten trotz schwieriger Bedingungen eine hervorragende Ausbildung absolvieren und haben heute eine sehr gute Anstellung.

Auch Frank ist mit dem Bootsbau eng verbunden. So hatte er nach seinem Abitur und dem anschließenden Wehrdienst sein Schiffbau-Studium als Diplom-Ingenieur beendet. Danach fing er bei Favorit in Grünheide an und baute dort Sport- und Ruderboote auf GFK-Basis. Nach der Wende half er seinem Vater bei der Neuausrichtung und hatte dann das Glück auf Grund seiner Vorkenntnisse in einem großen ausländischen, hochspezialisierten Unternehmen in der Kunststoffbranche angestellt zu werden. Heute berät er Flugzeugkonzerne und Formel-1-Rennställe in Fragen hochwertiger Werkstoffe aus Karbon und anderen Kunststoffen. Frank Pfennig weiß, dass er viel von seinem Vater gelernt hat. Hans Pfennig wiederum ist stolz auf seinen Sohn.


Fangschleuse im Juni 2008 (dp) Anmerkung der Redaktion: Ich möchte mich bei Hans und Gerda Pfennig, sowie bei Frank Pfennig und seiner Lebensgefährtin recht herzlich für die Interviews und die Bereitschaft bedanken, sich den Fragen zu stellen. Ich habe sehr herzliche, offene und sehr gastfreundschaftliche Menschen kennen gelernt, bei denen die Zeit wie im Fluge vergangen ist. Ich fühle mich sehr wohl bei Ihnen und hoffe, wir werden auch in Zukunft den Kontakt pflegen. Ich wünsche Ihnen Allen Gesundheit und weiterhin viel Freude und Schaffenskraft. Letzte Überarbeitung am 09.03.2011 (jr)

Paul Pfennig

0

Paul Pfennig wurde 1901 geboren. Er besuchte die Volksschule in Grünheide. Den ersten Weltkrieg erlebte er als Kind und Jugendlicher und wurde nicht eingezogen. Er begann eine Lehre als Bootsbauer in der Firma Rüdiger in Fangschleuse. Als Geselle erweiterte er seine Kenntnisse und Fähigkeiten in mehreren Bootsbaubetrieben. Er konnte sich eine Vielzahl von Techniken aneignen und seine gewonnenen Erfahrungen in den Betrieben weitergeben, in denen er in seinen “Wanderjahren“ arbeitete. So wurde er zu einem nachfragten Bootsbauer. 1936 fanden in Deutschland die olympischen Spiele statt. Paul Pfennig erhielt von seinem Freund Willi Lehmann den Auftrag, nebenbei in seinem Schuppen O-Jollen für die Olympiade zu bauen, was er auch realisierte. 1936/37 arbeitete er in der Hugo-Reinicke-Werft in Spandau, wo auch sein Bruder, Ernst Pfennig, als Meister beschäftigt war. Dieser arbeitete dort noch nach dem Bau der Berliner Mauer. Paul Pfennig war die tägliche Fahrt von Fangschleuse nach Spandau zu umständlich und zeitaufwendig. Ende der dreißiger Jahre sah er sich nach einer neuen Anstellung um und fand sie im Propellerwerk Hugo Heine in der Warschauer Straße in Berlin- Friedrichshain. Hugo Heine hatte 1921 eine Tischlerei übernommen und baute sie sukzessive aus. Im Auftrag der Flugzeugbau -Firma Bücker wurden dort Propeller aus Holz gefertigt. Hier spezialisierte sich Pfennig und ging im Auftrag der Firma für einige Zeit nach Westfalen und nach Holland. Art und Umfang seiner Arbeit sind aus dieser Zeit nicht bekannt.

 

Im Ferienhaus der Fa. Heine in Lilupe.
Im Ferienhaus der Fa. Heine in Lilupe.

Auch im zweiten Weltkrieg wurde er nicht eingezogen. Das lag sicher daran, dass die Heinefirma über den Flugzeugbau kriegswichtige Produkte herstellte. Paul Pfennig arbeite in einer Außenstelle der Firma in Riga. Er war inzwischen ein hervorragender Handwerker und stellte Schneekufen her. Diese Arbeit hatte Ähnlichkeit mit dem Bootsbau. Schneekufen waren Hohlkörper aus Sperrholz, beplankt mit richtigen Spanten. Ein Exemplar steht heute im Technikmuseum Berlin. Die Produktion erfolgte jedoch auf Halde, da die Schneekufen nie zum Einsatz kamen. Hans Pfennig, der Sohn von Paul erklärt sich das so : „Die Piloten weigerten sich bestimmt, diese Schneekufen einzusetzen. Das war für sie viel zu gefährlich.“

 

Er hatte seinen Vater im Jahr 1942 mit 11 Jahren 10 Wochen während der Sommerferien in Riga besucht. Der Krieg nahm seinen Lauf- Riga wurde eingekesselt. Die Rote Armee war auf dem Vormarsch. Paul Pfennig gelangte mit einem der letzten Schiffe zurück nach Deutschland. Hier arbeite er bis zum Kriegsende in Wuppertal in der Endkontrolle der Reparatur von beschädigten Militärflugzeugen.

Das Haus von Paul Pfennig, links die Werkstatt
Das Haus von Paul Pfennig, links die Werkstatt

1945! Der Krieg war zu Ende- grauenvoll seine Folgen! Paul Pfennig ging zu Fuß von Wuppertal nach Fangschleuse- eine monatelange Odyssee! Er erlebte sein völlig zerstörtes Heimatland: Städte aus Ruinen, Hunger, Not, Verzweiflung. Aufgeben??? Er krempelte die Ärmel hoch und überwand die Verzweiflung. Schon 1946 gründete er den Holzverarbeitungsbetrieb „ Paul Pfennig „ in Fangschleuse. Von der russischen Besatzungsmacht erhielt er den Auftrag, Kisten für den Transport von Reparationsmaterialien zu bauen. Dafür wurde er von den Russen mit ausreichend Holz versorgt. Er baute für sie auch Koffer aus Sperrholz zum privaten Nutzen. Sie bezahlten mit Naturalien wie Brot, Mehl und Speiseöl. Zugleich baute er landwirtschaftliche Geräte wie Handwagen, Butterfässer, Harken und sonstige praktische Gegenstände. Als Gegenleistung bekam er von den Bauern Kartoffeln und Rüben. So konnte die ganze Familie die katastrophale Nachkriegszeit überstehen. Aber Paul Pfennig war Bootsbauer!

Die beiden selbstgebauten Wellenbinder von Paul - und Hans Pfennig
Die beiden selbstgebauten Wellenbinder von Paul – und Hans Pfennig

Ab 1950 fing er an, Paddelboote, Ruderboote und später auch einige Motorboote zu bauen, auch Paddel und Holzriemen wurden von ihm angefertigt. 1953 baute Pfennig, zusammen mit seinem Sohn, im Auftrag eines Nachbarn, sein erstes Motorboot, einen Wellenbinder, parallel gleich noch ein zweites für den Eigenbedarf. Dazu zeichnete er sich selbst den Riss. Er verwendete Seitenbordmotore, einen Effzett Junior S 175 mit 3,5 PS und einen Fichtel & Sachs mit 2 PS.

Mitte der 50 er Jahre legte Paul Pfennig die Meisterprüfung ab. Sein Meisterstück war ein Motorboot, das mit einem DKW- Motor ausgestattet war, eine private Auftragsarbeit. Für die Meisterprüfung gab es eine Art“ Freistellung“, eine erleichterte Meisterprüfung abzulegen. Diese hatte jedoch die Einschränkung, dass man keine Lehrlinge ausbilden durfte. Paul Pfennig hatte man aber nahegelegt, gleich die richtige Meisterprüfung abzulegen. 1955 bestand er sie mit Bravur. Der Prüfungsvorsitzende war Herr Helmholz.

Paul und Gertrud
Paul und Gertrud

Während er vor der Meisterprüfung in der Werkstatt von Willi Lehmann angestellt war, arbeitete er danach nur noch in seinem eigenen Betrieb. Sein Sohn Hans half ihm häufig in seiner Freizeit und in den Schulferien. Da war es doch klar, dass er auch Bootsbauer wurde. Ab 1957 arbeiteten sie dann in eigenständigen Unternehmen in einer Werkstatt.

1966 wurde Paul Pfennig mit 65 Jahren berentet, die Arbeit in der Werkstatt gab er dennoch nicht auf- er war ein Bootsbauer, der auch im Alter nicht die Hände in den Schoß legen wollte. Am 27. Februar 1979 starb Paul Pfennig nach langer, schwerer Krankheit.

Heimatstube Grünheide: In der Ausstellung sehen Sie oben ein Modell eines Schärenkreuzers, welches er 1920 baute, mit Peitschenmast und Gaffeltakelung. Darunter ein Paddelboot als Modell, welches er 1938 baute.
Heimatstube Grünheide: In der Ausstellung sehen Sie oben ein Modell eines Schärenkreuzers, welches er 1920 baute, mit Peitschenmast und Gaffeltakelung. Darunter ein Paddelboot als Modell, welches er 1938 baute.

 


Fangschleuse im Juni 2008 (dp) Anmerkung der Redaktion: Ich möchte mich bei Hans und Gerda Pfennig, sowie bei Frank Pfennig und seiner Lebensgefährtin recht herzlich für die Interviews und die Bereitschaft bedanken, sich den Fragen zu stellen. Ich habe sehr herzliche, offene und sehr gastfreundschaftliche Menschen kennen gelernt, bei denen die Zeit wie im Fluge vergangen ist. Ich fühle mich sehr wohl bei Ihnen und hoffe, wir werden auch in Zukunft den Kontakt pflegen. Ich wünsche Ihnen Allen Gesundheit und weiterhin viel Freude und Schaffenskraft. Letzte Überarbeitung am 09.03.2011 (jr)